Schiff der Träume

Schiff der Träume. v.l.: Michael Wittenborn, Maurice Mustatea, Ibrahima Sanogo, Kathrin Wehlisch, Charly Hübner, Sayouba Sigué, Gotta Depri, Michael Seganzi, Patrick Joseph

© Matthias Horn

Theater
10er Auswahl

Schiff der Träume

Ein europäisches Requiem
Nach Federico Fellini
Textfassung Karin Beier, Stefanie Carp, Christian Tschirner

Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Premiere Deutsches Schauspielhaus Hamburg: 5. Dezember 2015

  • Dauer 3h 15, eine Pause
  • Mit englischen Übertiteln

Vergangene Termine

Publikumsgespräch am 7. Mai im Anschluss an die Vorstellung

Anderthalb Stunden lang zitiert Karin Beier auf dem Begräbnis-„Schiff der Träume“ (nach Fellinis Untergangsfilm) immer wieder zart ironisch Marthaler-Momente (mit den Marthaler-Schauspieler*innen Bettina Stucky, Rosemary Hardy, Sasha Rau und Joseph Ostendorf als Teil ihrer umwerfenden Crew), musikalisch, skurril, melancholisch. Wunderbares deutsches Stadttheater! Bis Komponist Wolfgang und seine Sinfonie „Human Rights No. 4“ von seinem maliziösen Orchester posthum endgültig erledigt sind und sich der Staub einer schönen Ironiekultur aus der Urne ergießt. Denn jetzt kommt der Cut: Schwarze Performer, die die Rolle der Geflüchteten einnehmen, entern das Theaterschiff, eine Fünfer-Gang (unter ihnen Gotta Depri und Michael Sengazi, gestählt in Gintersdorfer/Klaßens deutsch-ivorischen Performances). Kein delikates Licht mehr, keine zart tröpfelnde Musik. Sie sind dreist, laut, offensiv und wollen ans Oberdeck. Die nächsten anderthalb Stunden versetzt ihre selbstbewusste Performance das Bestattungsorchester ins Torkeln zwischen Menschenfreundlichkeit und Besitzstandswahrung, bis zum Kulturen übergreifenden Tanz. Die endgültige Selbstaufgabe der dekadenten Europäer*innen? Noch nicht! Man wird weiterarbeiten müssen in der profund verunsicherten Good-Will-Zone, in der die Rollenverteilungen möglicherweise neu zu verhandeln sind.

www.schauspielhaus.de

Regie Karin Beier
Bühne und Kostüme Johannes Schütz
Musikalische Leitung Jörg Gollasch
Choreografische Mitarbeit Valenti Rocamora i Torà
Licht Annette ter Meulen
Video Meika Dresenkamp
Dramaturgie Stefanie Carp, Christian Tschirner

Astrid Klein, Servicekraft Lina Beckmann
Gotta Depri Gotta Depri
Alexander von Wegen, Bassklarinette Yorck Dippe
Ethel Hebblethrait, Sopran Rosemary Hardy
Karsten Schröder, Triangel, stellvertr. Dirigent Charly Hübner
Nelly Morante, Klangstäbe Josefine Israel
Patrick Joseph Patrick Joseph
Thorsten Schilling, Chefstuart Jan-Peter Kampwirth
Cornelius von Ochs, Spezialschlagwerk Josef Ostendorf
Chanel Abramic, Trompete Sasha Rau
Ibrahima Sanogo Ibrahima Sanogo
Michael Sengazi Michael Sengazi
Sayouba Sigué Sayouba Sigué
Ada Morante, Querflöte Bettina Stucky
Elena Schmidt, Violine Kathrin Wehlisch
Tatì Weber, Cello und Gesang Julia Wieninger
Peter Bohlen, Klarinette Michael Wittenborn

Musiker:
Ruben Jeyasundaram Cello
Michael Leuschner Trompete
Maurice Mustatea Violine
Yuko Suzuki Schlagwerk