Lesung

Zeugnisse des Abgrunds – Vermächtnis eines Jahrhunderts

Poets, Essayists, Novelists
50 Jahre „Writers-in-Prison-Committee“

Vergangene Termine

Die Literatur des Abends führt in die Welt des unermesslichen Grauens. Schriftsteller, die Werke, die als Verfolgte in die Mordmaschinerie der Tyrannen geraten waren, verfassten Werke, die von Unbeschreiblichen erzählen. Sie legten Zeugnis ab und schufen große Literatur. Berliner Schauspielerinnen und Schauspieler geben ihnen ihre Stimme.

Als die internationale Schriftstellervereinigung P.E.N. (Poets, Essayists, Novelists) 1921 in London gegründet wurde, feierten die Beteiligten die Begebenheit als ein gesellschaftliches Ereignis. Nur in wenigen Fällen sah sich die Organisation zu Solidaritätsaktionen mit verfolgten Schriftstellern veranlasst. Die Erfahrung des zweiten Weltkriegs, die Verfolgungen und Morde unter der Schreckensherrschaft Hitlers und Stalins änderte die ursprünglich unpolitische Grundhaltung des P.E.N. Die Organisation entwickelte sich zu einem weltweiten Solidarbündnis im Kampf für die Presse- und Meinungsfreiheit und für die Unterstützung verfolgter Schriftsteller und Journalisten.

Um den neuen Herausforderungen besser gerecht zu werden, gründete der P.E.N., einer Anregung des ungarischen Exil-Autoren Paul Tabori folgend, 1960 das Writers in Prison Committee. Es verfügt über einen Mitarbeiterstab in der internationalen Zentrale des P.E.N. in London und koordiniert der Arbeit der nationalen Sektion, die in rund siebzig Ländern mitarbeiten. Die zweimal im Jahr herausgegebene Caselist, in der die Fälle der Verfolgung und Ermordung aufgelistet werden, nennt jeweils an die tausend Namen, Biographien und Adressen.

Die deutsche Sektion des P.E.N. nimmt diesen Jahrestag zum Anlass, an das Vermächtnis zu erinnern, dass das vergangene Jahrhundert den Nachgeborenen auferlegt hat. Denn die Unterdrückung, Verfolgung, Folterung und Ermordung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Journalistinnen und Journalisten blieb nicht den Tyrannen des vergangenen Jahrhunderts vorbehalten, wie die Caselist jedes Jahr aufs Neue beweist: Morde, die Regierungen dulden und die deshalb ungesühnt bleiben, Folter und Torturen im Gefängnis. Wir wollen mit dieser Veranstaltung die Öffentlichkeit einladen, an dem Kampf gegen Willkür und Grausamkeit teilzuhaben.

Programm

Texte von Imre Kertész, Primo Levi, Soma Morgenstern, Warlam Schalamow und Jorge Semprún
gelesen von Iris Berben, Maria Schrader, Sylvester Groth, Thomas Thieme und Manfred Zapatka

Klaus Harpprecht: „Kein Schweigen hinter Gittern“
Zum Auftrag von „Writers in Prison“

Veranstalter: P.E.N.-Zentrum Deutschland in Kooperation mit Berliner Festspiele | internationales literaturfestival berlin