Konzert
Berliner Orchester

Berliner Philharmoniker

Der Abgesang einer Epoche als verwinkeltes Spiegelkabinett: In seiner Oper Der Rosenkavalier beschwört Richard Strauss vordergründig die Zeit der Kaiserin Maria Theresias herauf. Doch trotz Anspielungen auf die Musik Händels und Mozarts schreibt Strauss Musik seiner Zeit, in schillernden Farben, raffiniert, schwelgerisch, rauschhaft. Und er setzt in bewusster Geschichtsklitterung als Lokalkolorit, sentimentale Reminiszenz und Karikatur das Idiom des Wiener Walzers ein. Er komponiert damit ein Endspiel der Zeit, aus der er selbst kommt. »Versteht Er nicht, wann eine Sach' ein End' hat?« fragt die Feldmarschallin im dritten Akt der Oper. Strauss, der zur Zeit des Rosenkavalier schon die Moderne mitgestaltet, hat verstanden.

Der zwischen den Zeiten stehende Komponist Heinrich Kaminski ist eine der Entdeckungen des Musikfests Berlin. In säkularisierter Zeit wollte er mit seiner Musik ein Zeichen setzen, um zu spirituellen Wurzeln zurückzufinden. In der Orchesterkomposition Dorische Musik bezieht sich Kaminski in spätromantischer Klangfülle auf die tonalen Grundlagen der abendländischen Musik, als viele seiner Kollegen die Tonalität bereits zu neuen Ufern führen. Doch gerade solch eine Skalenharmonik, wie sie Kaminksi und andere Zeitgenossen ausprägten, bot eine weitere Alternative zum ausgereizten Dur-Moll-System.

Angesichts des Paradigmenwechsels der Moderne blickte auch Hans Pfitzner in die Vergangenheit. Seine Oper Palestrina ist Künstlerdrama und auskomponiertes ästhetisches Bekenntnis. Der Protagonist wird darin als Retter der Kirchenmusik am Ende einer großen Ära gezeichnet und als Bewahrer einer traditionsreichen alten Kunst, von der sich die Jüngeren bereits abwenden. Doch Pfitzner, der vor »Futuristengefahr« warnt und den Ruf des ewig Gestrigen hat, schreibt mit Palestrina keine historistische Stilkopie, sondern Musik mit den Mitteln seiner Zeit.

Wolfgang Rihm hat das verstörend Querständige Pfitzners in einem Vortrag betont: »Pfitzner ist zu progressiv; um einfach wie Korngold eingeschlürft werden zu können, und er ist zu konservativ, um etwa wie Schönberg die Musik hörbar folgenreich beeinflusst zu haben. Wir finden nicht auf den ersten Blick das gebrochene Heutige in seinem Werk, aber auch nicht das ungebrochen Gestrige. Wir finden beiden – also keines, und dies lässt Einordnungsversuche stocken.« In Marsyas bezieht sich Wolfgang Rihm auf ein antikes Künstlerdrama: Marsyas, der rein vom Gefühl geleitete Satyr, der virtuos das Blasinstrument Aulos spielt, gerät in der Konfrontation mit dem ordnenden Gott der Künste Apollo in das Spannungsfeld zwischen Emotion und Ratio.

Konzertprogramm

Hans Pfitzner [1869–1949]
Vorspiel zum 2. Akt der Musikalischen Legende Palestrina [1917]

Heinrich Kaminski [1886–1946]
Dorische Musik
für Violine, Viola, Violoncello und Orchester [1933]

Wolfgang Rihm [*1952]
Marsyas
Rhapsodie für Trompete mit Schlagzeug und Orchester, 2. Fassung [1998/99]

Richard Strauss [1864–1949]
Rosenkavalier-Suite [1944]

Besetzung

Gábor Tarkövi Trompete
Jan Schlichte Schlagzeug
Andreas Buschatz Violine
Amihai Grosz Viola
Ludwig Quandt Violoncello

Berliner Philharmoniker
Andris Nelsons Leitung

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit dem musikfest berlin | Berliner Festspiele