Konzert
Gastorchester

Pittsburgh Symphony Orchestra

Frappierende Musik zu Beginn einer Oper: Statt einer konventionellen Ouvertüre eine Art Programmmusik: Streicher in höchsten Lagen. Helles Strahlen in Klang umgesetzt. Den »Widerschein azurner Wellen, zurückgestrahlt von irisfarbenen Wolken« sah Franz Liszt im Vorspiel der Oper Lohengrin seines Freundes Richard Wagner. »Der Anfang der Oper wirkt wie ein psychedelischer Initiationsritus: auf das jedem, der Ohren hat zu hören, die Sinne vergehen«, schreibt der Opernspezialist Ulrich Schreiber. Richard Wagner gelingt in diesem Vorspiel eine unerhört neue Musik, überirdisch, sphärisch, die in ihrer Expressivität Maßstäbe setzen sollte.

In geradezu überirdischen Höhen beginnt auch Wolfgang Rihms Violinkonzert Gesungene Zeit. Er hat es für Anne-Sophie Mutter geschrieben. Sie brachte das Werk zur Uraufführung, und sie wird es auch auf dem musikfest berlin interpretieren. Er habe, als der Plan dieses Werks ins Auge gefasst wurde, an die »energetisch und belebt geführten« hohen Töne gedacht, die Anne-Sophie Mutter der Violine entlocken kann: »In ihrem Spiel war mir nie jenes oft virtuosentypische Dünner- und Ärmerwerden des langsamen Spiels in der Höhenregion begegnet, vielmehr gerade dort: entlegene Fülle und Lebenskraft.« Das Spiel der Violine ist in Wolfgang Rihms Violinkonzert ein Gesang, der auch in der Konfrontation mit dem Orchester durchträgt. »Eigentlich ist dies einstimmige Musik«, hat er einmal bemerkt.

Kurz vor der Uraufführung seiner fünften Symphonie klagt Gustav Mahler in einem Brief an seine Frau Alma: »… das Publikum – o Himmel – was soll es zu diesem Chaos, das ewig auf’s Neue eine Welt gebärt, die im nächsten Moment wieder zu Grunde geht, zu diesen Urweltsklängen, zu diesem sausenden, brüllenden, tosenden Meer, zu diesen tanzenden Sternen, zu diesen verathmenden, schillernden, blitzenden Welten für ein Gesicht machen?«, Mahler zeigt sich in der Fünften endgültig als Vordenker der Moderne, wenn nicht sogar der Postmoderne. Disparates und Fragmentarisches allenthalben, innere Widersprüche bleiben offen stehen, Bruchstellen werden nicht gekittet. Militärisches, Trauermusik, Alltagsklänge, Volksliedhaftes, larmoyante Zirkusmusik, Walzerrhythmen, Choralklänge und Jahrmarktsgeklingel, alles wird schlaglichtartig nebeneinander präsentiert. Aber dann gibt es auch diesen Ruhepol, die idyllische Insel, das Adagietto, ein Lied ohne Worte mit Streichern und Harfe. Ein zarter Abgesang, den Luchino Visconti in seiner Thomas-Mann-Verfilmung Morte a Venezia heranzog, um das Aufkommen einer Cholera-Epidemie zu begleiten.

Konzertprogramm

Richard Wagner [1813–1883]
Lohengrin [1845–48]
Vorspiel zum 1. Akt

Wolfgang Rihm [*1952]
Gesungene Zeit
(Zweite) Musik für Violine und Orchester [1991/92]

Gustav Mahler [1860–1911]
Symphonie Nr. 5 cis-Moll [1901–04]