Konzert
Gastorchester

Sächsische Staatskapelle Dresden

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In diesem Konzert des musikfests berlin treten die beiden Kontrahenten gegeneinander an, Ferruccio Busoni und Hans Pfitzner. »Ich möchte noch gern einen Zipfel der neuen Tonkunst erwischen und womöglich selbst einen Saum daran nähen. Immer deutlicher fühle ich, wie künftig unser ganzes Gezirp als prähistorische Epoche bezeichnet wird«, bekannte Ferruccio Busoni. In seinem Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst präsentierte er die Utopie einer Zukunftsmusik als Gegenentwurf zur Spätromantik. Hans Pfitzner entgegnete darauf polemisch in seiner Schrift Futuristengefahr: »Wie aber, wenn es anders wäre? Wenn wir uns auf einem Höhepunkt befänden oder gar der Höhepunkt schon überschritten wäre? Wenn unser letztes Jahrhundert oder unsere letzten anderthalb Jahrhunderte die Blütezeit der abendländischen Musik bezeichneten, die Höhe, die eigentliche Glanzperiode, die nie wiederkehren wird und der sich ein Verfall, eine Dekadenz anschlösse, wie die nach der Blütezeit der griechischen Tragödie?«

Das Nocturne Symphonique schrieb Busoni als Vorstudie, als »Anregung, Maßstab, Atmosphäre« zu seinem Opus magnum, der Oper Doktor Faust. Busoni stößt nunmehr vor in Bereiche der Polytonalität, und statt der romantischen Orchestrierung in Farbwerten gestaltet er ein von der Kammermusik beeinflusstes, transparentes orchestrales Klangbild. Hans Pfitzner greift dagegen in seinem Klavierkonzert Es-Dur absichtlich den zupackenden Gestus der Klavierkonzerte Beethovens auf, geht jedoch gleichzeitig in unkonventionellen vier Sätzen, die ohne Zäsur aufeinander folgen, neue formale Wege.

»Ich werde nie eine Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon wie es unsereinem zu Mute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört«, schreibt Johannes Brahms einmal einem Freund. Johannes Brahms kämpfte lange, um aus dem als übermächtig empfundenen Schatten Beethovens herauszutreten. Hinzu kam die Konkurrenz von Wagners Musikdrama, das als Konsequenz aus der Symphonik Beethovens verstanden wurde. Erst als sich Brahms in anderen Gattungen stark genug fühlte, gelang ihm der künstlerische Befreiungsschlag der ersten Sinfonie. Er kam darin zu individuellen strukturellen Lösungen. Gerade diese sind es, die später Arnold Schönberg veranlassten, den oft als klassizistischen Epigonen Brahms belächelten als Progressiven zu bezeichnen. Das Spannungsfeld zwischen Konservativem und Progressivem bei Busoni, Pfitzner und Brahms werden Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden gemeinsam mit dem Pianisten Tzimon Barto genau unter die Lupe nehmen.

Konzertprogramm

Ferruccio Busoni [1866–1924]
Nocturne Symphonique
für Orchester op. 43 [1914]

Hans Pfitzner [1869–1949]
Konzert für Klavier und Orchester Es-Dur op. 31 [1922]

Johannes Brahms [1833–1897]
Symphonie Nr. 1 c-Moll op.68 [1862–77]