Konzert
Berliner Orchester

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

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»Faust ist zwar von Goethe geschrieben, aber deshalb kein Monopol Goethes, von dem jeder andre ausgeschlossen wäre. Dieser Faust ist Gemeingut der Menschheit«, betonte der österreichische Dichter Nikolaus Lenau selbstbewusst und legte eine eigene Interpretation des alten Sagenstoffs vor. Lenaus heute leider weitgehend vergessene episch-dramatische Dichtung ist deutlich rustikaler, burlesker und mitunter auch lebhafter als die Verarbeitung Goethes. Franz Liszt hat im Laufe seiner Karriere beide Faust-Dichtungen für Kompositionen herangezogen. Im Gegensatz zu seiner Faust-Symphonie nach Goethe, in der er in drei »Charakterbildern« frei über die drei Hauptfiguren Faust, Gretchen und Mephistopheles reflektiert, orientiert sich Liszt bei seiner Lenau-Vertonung relativ nah an zwei Szenen des Texts. Von dessen Farbigkeit ließ er sich deutlich hörbar inspirieren und erzählt die Situationen geradezu plastisch nach.

Dass es gegenüber dem extrem überschaubaren Bratschenrepertoire der Klassik, Romantik und Moderne in der zeitgenössischen Musik mehr Werke für die Bratsche gibt, liegt nicht zuletzt an der Ausnahmekünstlerin Tabea Zimmermann. Komponisten haben ihr zahlreiche Werke gewidmet. Als Wolfgang Rihm sein Bratschenkonzert mit dem Beinamen »Über die Linie IV« der Interpretin zuschickte, schrieb er ihr: »Da ist es nun. Wieder nichts Paganinieskes. Aber ich hoffe natürlich: etwas Gutes. Innerer Monolog von Anfang bis zum Schluss. (…) Alles ist eben Linie, geschabt wird nirgends, gesungen immer. Meine alte Idee des gesanglichen Konzertes, der ›Instrumentalkantate‹, lässt mich nicht los.« Auf dem Musikfest Berlin spielt Tabea Zimmermann diesen ihr gewidmeten, instrumentalen Gesang, den sie vor einigen Jahren uraufgeführt hat.

Camille Saint-Saëns, nicht nur Komponist, sondern einst auch Organist an der Madeleine in Paris, widmete seine Orgelsymphonie Franz Liszt. Dies war nicht nur eine dankbare Geste, weil Liszt in Weimar am Großherzoglichen Theater die Uraufführung von Saint-Saëns’ Oper Samson et Dalila ermöglicht hatte, sondern auch eine Verbeugung vor dem Komponisten der berühmten h-Moll-Sonate. Liszts Klavierwerk hat Saint-Saëns’ Formempfinden nachhaltig geprägt. In der Orgelsymphonie, die unkonventionell Klavier und Orgel in den Orchesterklang integriert, beweist Saint-Saëns Mut zu farbiger Harmonik und neuartigen, an Liszt geschulten Formprinzipien. »Mit ihr habe ich alles gegeben, was ich geben konnte. So etwas wie dieses Werk werde ich nie wieder schreiben«, sagte Saint-Saëns über seine Orgelsymphonie.

Franz Liszt [1811–1886]
Zwei Episoden aus Lenaus Faust [1860/61]
1. Der nächtliche Zug
2. Der Tanz in der Dorfschenke

Wolfgang Rihm [*1952]
Zweites Bratschenkonzert (»Über die Linie« IV) [2000/02]

Franz Liszt [1811–1886]
La Campanella gis-Moll [1851]
aus Six Grandes Etudes de Paganini
bearbeitet für Solo Orgel von Cameron Carpenter

Camille Saint-Säens [1835–1921]
Symphonie Nr. 3 c-Moll op. 78 »Orgelsymphonie« [1886]

Eine Veranstaltung des DSO Berlin in Kooperation mit dem musikfest berlin | Berliner Festspiele