Konzert
Gastensemble

Gesualdo Konsort Amsterdam

Vesuvische Musik

Vergangene Termine

Ein komponierender Renaissancefürst, leidenschaftlich, impulsiv, heißblütig: Als er seine Gattin mit ihrem Liebhaber überrascht, ermordet er beide wutentbrannt. Zu diesem Bild passen die Madrigale des Adeligen mit ihrer dissonanten, grellen Harmonik und ihrer wildwuchernden Chromatik. Eine Überzeichnung, die auf das Wunderbarste Leben und Werk in Deckungsgleichheit bringt. Die historischen Gerichtsakten geben ein weniger grelles Bild der Bluttat wieder. Der Mord war offenbar von langer Hand geplant, Gehilfen begleiteten den Fürsten. Die Tötung sollte wahrscheinlich sogar einem Giftanschlag auf den Fürsten zuvorkommen. Doch fortan bestimmte der Ruf des Exzentrikers, nicht selten verbunden mit einer gewissen Psychopathologie, das Bild Carlo Gesualdos, des Fürsten von Venosa. Von der Nachwelt wurde er wahlweise als Dilettant oder psychopathologischer Fall betrachtet. »Schockierend und ekelerregend« befand der berühmte britische Musikreisende Charles Burney Gesualdos Musik. Sein französischer Zeitgenosse Jean-Jacques Rousseau rühmte stattdessen, die Madrigale seinen »voller Wissen und Geschmack«. Feststeht, dass Gesualdo bei den Kollegen seiner Zeit einen guten Ruf hatte, ein Meister seines Fachs war, satztechnische Fehler lassen sich ihm nicht nachweisen. Die antithetischen Bilder der Texte in seinen hochexpressiven Madrigalen, Leben und Tod, Freude und Verzweiflung, spitzte er klanglich in konsequenter Ausdeutung zu. Auch seine Zeitgenossen setzten zur Textausdeutung Dissonanzen und Chromatik ein, allerdings nur sporadisch. Das genügte Gesualdo nicht, er setzte diese Kunstmittel als in seinen von dramatischen Zäsuren durchzogenen Kompositionen extensiv ein. Drastisch und geradezu realistisch wird gezeigt, wie heftig die Leidenschaften und Emotionen den Menschen erfassen. Zwei Jahre vor Gesualdos Tod erschienen das fünfte und sechste Madrigalbuch im Druck, die Summe seiner Erfahrung. Es verwundert nur, dass dieser Komponist, der so eindringlich die menschlichen Affekte zeichnen konnte, nicht an der Ausprägung der frühen Oper in Italien beteiligt war.

Konzertprogramm

Madrigale von
Don Carlo Gesualdo, Principe di Venosa [1566–613]

Fünfstimmige Madrigale
aus dem Libro quinto und Libro sesto [1611],
kombiniert mit mehrstimmigen Madrigalen und Kompositionen für chromatisches Cembalo seiner Zeitgenossen Ruggiero Giovannelli, Ascanio Maione, Agostino Agresta, Giuseppe Palazzotto di Tagliavia, Francesco Genuino, Crescentio Salzilli, Antonio de Metrio und Diego Personè

Besetzung

Pieter-Jan Belder Cembalo

Gesualdo Consort Amsterdam
Stephanie Petitlaurent, Sopran
Nele Gramß Sopran
Marnix De Cat Altus
Julian Podger Tenor
Harry van Berne Tenor
Harry van der Kamp Bass, Leitung