Konzert
Klavierrecital II

Benefizkonzert András Schiff

Klavierrecital II

30 Jahre IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges
Benefizkonzert zugunsten von IPPNW

Empfang nach dem Konzert im Foyer des Kammermusiksaals mit Gelegenheit zu Gesprächen mit Gründungsmitgliedern der IPPNW
Moderation: Gerhard Forck (Stiftung Berliner Philharmoniker)

Die Klaviersonate als Herausforderung, nicht als Pflichterfüllung eines Regelwerks, sondern als Chance sehen, Tradiertes neu interpretieren, das gilt schon für Ludwig van Beethoven. Der unbequeme Klassiker wusste, wie er seine saturierte Hörerschaft überraschen und verblüffen konnte, indem er Hörgewohnheiten torpedierte. »Für solche Schweine spiele ich nicht« soll Beethoven einmal ausgerufen haben angesichts der Sitte seiner Zeit, Musikdarbietungen als atmosphärische Untermalung für Bankette oder Kartenspiele einzusetzen. Dementsprechend irritiert Beethoven in seiner Sonate für Klavier Nr. 30, weil er die gewohnten Verhältnisse auf den Kopf stellt.

Gegenüber dem markanten Vorgänger war es für Franz Schubert schwer, in der gleichen Gattung Charakter und Individualität zu zeigen. Nur zwölf von insgesamt 22 Sonaten hat Schubert zu Ende geschrieben. In freieren Formen wie dem Impromptu oder der Fantasie, die nicht von Beethoven besetzt waren, konnte Schubert eine eigene Handschrift ausprägen. Seine Sonate G-Dur hieß in der Erstausgabe noch »Fantasie, Andante, Menuetto und Allegro«, um das Publikum nicht durch die Freiheiten, die sich Schubert erlaubte, zu verwirren.

Dass auf der Folie der Sonate auch völlig neue Inhalte ausgebreitet werden können, hat Béla Bartók bewiesen. In seiner Sonate für Klavier hat der Komponist und Musikethnologe charakteristische Elemente aus der ungarischen Folklore als Bausteine für einen radikal modernen Stil herangezogen. Neuartige Kraftfelder jenseits der tradierten klassischen Bauelemente treiben diese Sonate an.

Leoš Janáček, kompromisslos und eigenwillig in seiner Musik, stellte die Sonate »Von der Straße (1.X.1905)« in den Dienst einer außermusikalischen Ausgangsidee und beschränkte sich auf nur zwei Sätze. Die Sonate ist eine Trauermusik mit politischem Hintergrund: Janáček schrieb das Stück unter dem Eindruck des Nationalitätenkonflikts in Brünn, in dessen Verlauf bei einer Demonstration ein junger tschechischer Handwerker durch einen Bajonettstich des Militärs getötet wurde.

Die gleiche Gattung in völlig unterschiedlichen Ansätzen: Um diesen vier Stücken, die jeweils einen eigenen Mikrokosmos abstecken, in all ihren Nuancen an einem Abend gerecht zu werden, bedarf es technischer Versiertheit, Souveränität, Sensibilität und viel Erfahrung. Der ungarische Pianist András Schiff kann genau mit diesen Qualitäten überzeugen.

Programm

Begrüßung durch Peter Hauber

Ludwig van Beethoven [1770–1827]
Sonate für Klavier Nr. 30 E-Dur op. 109 [1820]

Béla Bartók [1881–1945]
Sonate für Klavier Sz 80 [1926]

Leoš Janáček [1854–1928]
Sonate 1.x.1905 »Von der Straße« [1924]

Franz Schubert [1797–1828]
Sonate für Klavier G-Dur D 894 op. 78 [1826]

Besetzung

András Schiff Klavier

Eine gemeinsame Veranstaltung von IPPNW-Concerts, dem musikfest berlin | Berliner Festspiele und der Stiftung Berliner Philharmoniker
im Rahmen des IPPNW-Kongresses »Hiroshima–Nagasaki–Majak–Harrisburg–Tschernobyl–Fukushima: Die Verantwortung der Medizin im atomaren Zeitalter«
16.–18. September 2011