Szenische Lesung
Stückemarkt

Adam und die Deutschen (Die Mühle)

von Tine Rahel Völcker (Deutschland)
Szenische Lesung
Stückemarkt VI

© Tine Rahel Völcker

  • 1h, keine Pause

Vergangene Termine

Artist Talk mit Rainer Merkel, Bonn Park und Tine Rahel Völcker
im Anschluss an die Vorstellung von
„DAS KNURREN DER MILCHSTRASSE“ (13.05., ca. 21:00)
Moderation: Felicia Zeller

FR 12. Mai 2017, 13:00, Haus der Berliner Festspiele, Unterbühne
Für ein Theater der Unterbühne
Workshop mit Tine Rahel Völcker und Annika Högner
Anmeldung unter

„Ich will einen neuen Monat ausrufen.“

Der polnische Jude Adam sucht die Deutschen und findet sie in den Kneipen der deutsch-polnischen Grenzstadt, wo er noch immer bei seiner Mutter Tereza lebt. Die will mit Deutschen nichts zu tun haben. Sie muss die Geschichte des Holocaust erinnern, die Geschichte ihrer polnisch-jüdischen Eltern, denen – 1938 aus Deutschland vertrieben – die Rückkehr nach Polen verwehrt wurde.
Je größer die Tragödie desto heftiger die Komödie. Und so besteht das Stück – vom grausamen Motiv der verunmöglichten Flucht durchzogen – fast ausschließlich aus zwei komisch-absurden „Kater“-Dialogen, die Adam mit seinen aufgegabelten Deutschen führt. In „Zukunft der Betrunkenen“ ist es Henriette, die sich auf einer temporären Flucht aus ihrem Familienleben befindet, zwanzig Jahre später in „Gedächtnislärm“ der schwule Narkosearzt Rudi, der den Flüchtlingen in Ungarn helfen will, es aber nicht bis dorthin schafft. Beide bleiben erst in der Kneipe, dann bei Adam hängen. Beide erwachen in einem Deckenhaufen in der kleinen Wohnung, in deren Hinterzimmer die misanthropische Mutter haust, deren Anwesenheit Adam gerne lapidar herunterspielt. Er sucht die Liebe der Deutschen, und zwar so sehr, dass er in seinem Wahn die Zeitachse der Wirklichkeit verbiegt. Mit Henriette wäre er schon seit einem Jahr zusammen und sie habe es nur wieder vergessen wegen dem Alkohol. Mit Rudi wolle er nach Hamburg, ihm überallhin folgen, dann aber sind die Geräusche und Rufe seiner mittlerweile bettlägerigen Mutter aus dem Hinterzimmer nicht mehr zu überhören.
Mit klar gezeichneten Figuren, die gerne mal mit selbstanalytischen Kampfreden aus sich heraustreten, beschreibt Völcker wie es ist, hängenzubleiben, nicht nur in der Wohnung, bei der Mutter, sondern auch in der eigenen Geschichte, an der Grenze, an Orten, an denen man nicht erwünscht ist, in gesellschaftlichen Rollen, die man nur zum Teil erfüllt, in einem Traum, in dem gestern schon letztes Jahr war.
Felicia Zeller

Einrichtung Alice Buddeberg
Dramaturgie Nora Khuon, Johanna Vater

Mit Sven Fricke, Daniel Fries, Juliane Korén, Sina Martens