Igor Strawinsky

Igor Strawinsky

Bild: Bain News Service © Wikimedia Commons

Konzert

Berliner Philharmoniker

Einführung:
DO 13. und FR 14.09.2018, 19:00
SA 15.09.2018, 18:00

Das 20. Jahrhundert ist Geschichte. Vieles, was in ihrem Vollzug weit auseinander zu liegen scheint, rückt in der Retrospektive zusammen. Das Programm der Berliner Philharmoniker mit François-Xavier Roth zeigt dies mit bestechender Klarheit. Das Zentrum dieses Säkulums war die Ära des Films, als Kunstform ein Medium der visionären Suggestion und der abstrakten Expressivität. Die Musik verstärkte die optische Virtualität nicht nur, sie zeichnete ihr auch die Logik, Grammatik und Wirkungsweise vor. Claude Debussy entwarf mit seinen „Images” bewegte Hör-Bilder, Stilisierungen aus dem alten Großbritannien, spanische Straßen-, Nacht- und Festszenen und die Vorstellung eines Frühlingsreigens mit angedeuteter Kinderbeteiligung. „Die Musik dieses Stücks hat das Besondere, dass sie immateriell ist und dass man sie folglich nicht wie eine robuste Symphonie behandeln kann, die auf ihren vier Beinen marschiert (bisweilen sind es nur drei, aber das marschiert genauso). Übrigens überzeuge ich mich mehr und mehr, dass die Musik ihrem Wesen nach nicht etwas ist, das man in eine strenge und überlieferte Form gießen könnte. Sie besteht aus Farben und rhythmisierten Zeiten.“ (Debussy). Dass Stanley Kubrick György Ligetis „Atmosphères” für seinen Film „A Space Odyssey 2001” verwendete, hat mit dem sphärischen Fließen dieser Musik, mit der teleskopartigen Verstärkung der klanglichen Fernsicht – ähnlich wie in „Lontano” – zu tun. Der zweite Programmteil führt also mitten in das Gebiet, auf dem die Musik ihre Stärken hat: in die Suggestion.
Die Werke des ersten Teils zeigen eine andere Seite des 20. Jahrhunderts, den Neoklassizismus als Haltung zur Geschichte. Strawinskys schrieb seine „Symphonies d’instruments à vent“ in Erinnerung an Claude Debussy. Strawinsky selbst sah der Aufführung mit großer Skepsis entgegen, denn diese Symphonien enthielten nichts, was mit dem Urheber des revolutionären „Sacre“ in Verbindung gebracht werden könnte. Keine leidenschaftlichen Passagen oder dynamischen Ausbrüche, stattdessen ein quasi-zeremonieller Ablauf von Kantilenen, kurzen Litaneien und Instrumentenkombinationen in liturgisch anmutenden Dialogen und Psalmodien. Bernd Alois Zimmermann gewann sein Violinkonzert aus einer im selben Jahr entstandenen orchestral gedachten Sonate für Violine und Klavier. Bei der Umarbeitung erweiterte er den mittleren Satz, machte ihn dadurch auch der Bedeutung nach zum Zentralstück. Mit „Dies irae”-Zitaten und einem Rumba-Finale suggeriert Zimmermann einen „Sitz im Leben“ für sein erstes Werk, das er gelten ließ.

Igor Strawinsky [1882–1971]
Symphonies d`instruments à vent [Fassung von 1947]
À la mémoire de Claude Achille Debussy

Bernd Alois Zimmermann [1918–1970]
Konzert für Violine und großes Orchester [1950]

Claude Debussy [1862-1918]
Images für Orchester [1905–1912]
1. Gigues [1909-1912]

György Ligeti [1923-2006]
Lontano für großes Orchester [1967]

Claude Debussy
Images für Orchester
3. Rondes de printemps [1905-1909]

György Ligeti
Atmosphères für Orchester [1961]

Claude Debussy
Images für Orchester
2. Ibéria [1905-1908]

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin