Art Ensemble of Chicago, Camae Ayewa, Jamie Branch, Roscoe Mitchell, Irreversible Entanglements

Art Ensemble of Chicago, Camae Ayewa, Jamie Branch, Roscoe Mitchell, Irreversible Entanglements

© Promo, Kurt Rade, Marc Pallman, Joseph Blough, Camae Ayewa

Konzert
[Fokus Chicago] [Blick zurück in die Zukunft afroamerikanischer Musik]

Irreversible Entanglements / Moor Mother & Roscoe Mitchell / jaimie branch / Art Ensemble of Chicago

Irreversible Entanglements
Irreversible Entanglements ist ein Beispiel dafür, wie entschlossene Kräfte einander finden und sich gegenseitig verstärken. Alle Beteiligten bewegen sich kreativ-expressiv wie sozial und politisch engagiert in multiplen Zusammenhängen. Saxofonist Keir Neuringer, Poetin Camae Ayewa und Bassist Luke Stewart kennen sich von verschiedenen selbstorganisierten basisdemokratischen Aktionen in Philadelphia. Zusammen reisten sie im April 2015 nach Brooklyn, um an der Manifestation „Musicians Against Police Brutality“ teilzunehmen. Direkt nach ihnen spielte ein Duo Trompete und Drums, bestehend aus Aquiles Navarro und Tcheser Holmes. Getrieben von dem damals hochkochenden „bunch of heart-wrenching racist shit“ und ihren gemeinsamen musikalischen und politischen Interessen verabredeten sie sich. Neuringer organisierte ein Studio in Brooklyn, wo sie ein paar Monate später an einem Nachmittag das erste Mal zu fünft zusammenspielten. Daraus entstand das Album „Irreversible Entanglements“, das 2017 gemeinschaftlich vom Don Giovanni Label aus New Jersey und International Anthem aus Chicago herausgebracht wurde. Free Jazz trifft auf die gnadenlos ehrlichen Verse der Poetin Camae Ayewa aka Moor Mother. Das Ganze hat enorme (weltweite) Katapultwirkung und trifft einen vitalen Nerv.

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Moor Mother & Roscoe Mitchell: The Black Drop
Die wortgewaltige Poetin, Spoken-Word-Künstlerin, Musikerin und Aktivistin Camae Ayewa stellt sich entschlossen gegen Etikettierung, Stigmatisierung, Verzerrung, Entstellung und Reduzierung jedweder Art. Sie kommt den Taten und Auswirkungen von Sklaverei und Rassismus im Bodensatz und Nerv des täglichen Lebens in multiplen kreativ-expressiven Zusammenhängen auf die Spur, macht die Traumata zugänglich und erzeugt mit widerständiger und viszeraler Beschwörung Kraftschübe zur Vermittlung ihrer Botschaften. Das gilt gleichermaßen für ihre musikalische Arbeit wie auch für ihr Engagement in der sozialen Gemeinschaft. Als Moor Mother treibt sie frei zwischen Rap, Punk, Noise und Jazz und stimmt mit aller Konsequenz in den Kanon afroamerikanischer Bürgerrechtler*innen ein, packt die Geschichte der afrikanischen Diaspora bei den Wurzeln und überführt sie in afrofuturistischer Manier in eine dystopische Zukunft. Mit zu den diesjährigen Höhepunkten des Jazzfest Berlin gehört die erstmalige Begegnung mit dem sich immer neu erfindenden Kreativgeist und Pionier Roscoe Mitchell. „Black Drop“ verspricht ein kreatives Spannungsfeld der besonderen Art.

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jaimie branch: Fly or Die
Die Trompeterin Jaimie Branch (*1984) mit Chicagoer Wurzeln und derzeitigem Ankerplatz Brooklyn ist eine weitere starke Stimme im kometenhaften Kommen, der für ihren ersten Auftritt in Deutschland das Jazzfest Berlin die große Bühne bereitet. Ihr letztjähriges kurz und bündiges Debüt bei dem jungen Chicagoer Label International Anthem schlug ein wie ein Präzisionsgeschoß und brachte reichlich Podien zum Beben und Schweben. In der New York Times und bei National Public Radio fand sich ihr Album in der Liste des Jahres 2017 unter den ersten Fünf. Nach zwei Takten ihrer Gruppe Fly or Die weiß man, wo der Hammer hängt. Die ungewöhnliche Besetzung von Jason Ajamians Bass, Lester St. Louis’ Cello und Chad Taylors Schlagzeug erzeugt eine klare mitreißende Rhythmik in einem atmenden Fluss psychedelischer Texturen. So operiert sie in ungewöhnlich kompakter Weise innen und außen zugleich und es entstehen – oft graffitihaft kurz – existenziell geladene urbane Weckrufe. Starke Expression, eine kraftvolle Stimme und eine klare Handschrift prägen das Songwriting dieser Ausnahmetrompeterin. Fly or Die liefert substanzielle Klänge, die unter die Haut gehen. Keine Ufos, dafür Echos jäher Lichtblitze entlang kalter Hochhausschluchten.

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Art Ensemble of Chicago
Das Art Ensemble of Chicago steht für „Great Black Music – Ancient to the Future“, wie Lincoln T. Beauchamp, aka Chicago Beau, es auf den Punkt bringt. Im Feld kreativer, unablässig sich entwickelnder Musik der letzten fünf Jahrzehnte ist es ein Unikum und leuchtendes Vorbild mit reicher Geschichte (dokumentiert auf 30 Alben). Dies gilt für seine klanglich-bildliche Ei(ge)nheit und Wirkungskraft genauso wie für das besondere produktive Gemeinschaftsklima, das es die ganze Zeit lang getragen hat. Von der Urbesetzung – noch in vollem Ornat 1991 auf dem Jazzfest Berlin zu erleben – sind Trompeter Lester Bowie und Bassist Malachi Favors Maghostut verstorben, während der ‚Schamane‘ Joseph Jarman inzwischen als buddhistischer Priester und Aikido-Meister waltet. Die Verbliebenen – der außergewöhnliche musikalische Geist und unermüdliche Macher und Multiinstrumentalist Roscoe Mitchell und Schlagzeuger Famoudou Don Moye – bilden einen Kern, um den sich nun eng liierte Musiker*innen scharen. Das AEC hat sich, geleitet von der eigenen Lust des Explorierens, immer frei durch ein offenes Kontinuum von Genres bewegt. In einer klanglichen Gesamtlandschaft mit verschlungenen Pfaden und breiteren Wegen hat es im Spiel unermüdlich sowohl den eigenen Horizont als auch den seiner Zuhörer*innen erweitert. In Berlin geht die Reise zu neunt weiter.

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18:30
Irreversible Entanglements (USA)
[Blick zurück in die Zukunft afroamerikanischer Musik]

Camae Ayewa aka Moor Mother vocals
Keir Neuringer alto saxophone
Aquiles Navarro trumpet
Luke Stewart double bass
Tcheser Holmes drums

Moor Mother & Roscoe Mitchell (USA)
The Black Drop
Uraufführung
[Blick zurück in die Zukunft afroamerikanischer Musik]

Camae Ayewa aka Moor Mother vocals, electronics
Roscoe Mitchell saxophone

Pause

20:00
jaimie branch (USA)
Fly or Die
Deutschlandpremiere
[Fokus Chicago]

Jaimie Branch trumpet
Chad Taylor drums, mbira
Jason Ajemian bass
Lester St. Louis cello

Pause

21:15
Art Ensemble of Chicago (USA)
Berlin Special Edition
[Fokus Chicago] [Blick zurück in die Zukunft afroamerikanischer Musik]

Roscoe Mitchell saxophones, flute
Nicole Mitchell flute
Hugh Ragin trumpets
Famoudou Don Moye drums, congas, percussion
Dudù Kouate african percussion
Jean Cook violin
Eddie Kwon viola
Tomeka Reid cello
Silvia Bolognesi bass
Jaribu Shahid double bass
Christina Wheeler voice, array mbira, auto harp, q-chord, theremin, sampler, electronics
Moor Mother vocals

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