Diamante. Trailer

© Berliner Festspiele

Theater

Diamante

Mariano Pensotti / Grupo Marea

Eine besondere Form von Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Installation und Musik: Mariano Pensotti baut ein Dorf ins Haus der Berliner Festspiele.

  • 6 h
  • In deutscher und spanischer Sprache, mit deutscher Übertitelung

Es ist, als würden alle Fragmente von Büchners Stück „Woyzeck“ in einem riesigen Saal gleichzeitig gespielt. Die Besucher*innen bewegen sich zwischen den Spielorten und verknüpfen die Szenen zu ihrem eigenen Stück. Ungefähr so, nur mit einer zeitgenössischen Geschichte, ereignet sich die Aufführung von Mariano Pensottis großer Parabel auf die Entwicklung der argentinischen Gesellschaft: „Diamante“ ist das Modellstück einer Modellgesellschaft. Als Parcours zwischen parallel gespielten und fein aufeinander abgestimmten Szenen erleben die Besucher*innen den Gesellschaftswandel in einer Werkssiedlung am Rande des Dschungels. Sie ist ein besonderer Ort: Vor gut 100 Jahren, so die Fiktion des Schriftstellers, Filmregisseurs und Theatermachers Mariano Pensotti, errichtete sie der deutsche Industrielle Emil Hügel im Norden Argentiniens für sein Kohle- und Stahl-Unternehmen „Goodwind“.

Heute ist Diamante eine Art Dschungel-Silicon Valley, und die Zuschauer*innen dieses Stücks begegnen dessen Einwohner*innen im Festspielhaus zwischen ihren Häusern – sie leben und feiern mit ihnen, beobachten sie über sechs Stunden wie die eigenen Nachbar*innen und sehen, wie sich die soziale Musterstadt im Laufe eines Jahres in einen Ort der Gewalt verwandelt: Gemeinsame Sportübungen und gemeinsames Musizieren werden abgelöst von Raubüberfällen und Fremdenhass. Die stolzen Arbeiter*innen der Fabrik werden allmählich zu Dienstleistenden, das Gemeinsame der Gemeinschaft verfliegt und die Jugend sucht sich ihre eigenen Auswege.

Mariano Pensotti bringt große Geschichten in einer Mischung aus Realität und Fiktion auf die Bühne, die eine besondere Form von Gesamtkunstwerk aus Schauspiel, Installation und Musik annehmen. Im opulenten Set dieser Aufführung suchen sich die Besucher*innen ihren eigenen Weg durch die vielen Leben der Bewohner*innen. Mariano Pensotti erzählt nicht nur die Geschichte der Privatstadt Diamante in Argentinien, sondern macht deutlich, wie eigenwillig jeder Lebensweg in diesem politischen Szenario verläuft, wie viele kleine Entscheidungen letztlich zu einer großen Geschichte führen, die für den Scheideweg unserer Gesellschaft von heute steht.

Text, Regie Mariano Pensotti
Bühne, Kostüm Mariana Tirantte
Musik Diego Vainer
Licht Alejandro Le Roux
Künstlerische Produktionsleitung Florencia Wasser

Mit Till Bauer, Niels Bormann, Cornelia Dörr, Marie Eick-Kerssenbrock, Bettina Engelhardt, Martin Horn, Julian Keck, Pavel Kovalenko, Moritz Krainz, Cristián Lehmann Carrasco, Tonio Schneider, Judith Seither, Maximilian Strestik, Jonathan Tribe, Chris Urwyler, Martin Weigel, Michael Witte, Chen Yan u.a.

Eine Uraufführung der Ruhrtriennale 2018. Die Aufführungen in Berlin sind eine Produktion der Berliner Festspiele / Immersion in Koproduktion mit den Wiener Festwochen und dem Grand Theatre Groningen.

Gefördert durch

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

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