David Gelernter

David Gelernter

Vortrag

David Gelernter

Anti-computing and the anti-Web: Remembering how to read

Einführung: Manfred Lahnstein

  • In englischer Sprache mit Simultanübersetzung

Vergangene Termine

David Gelernter ist Zukunftsforscher – der Zukunft des Menschen und der Technologie. Weil letztere unser Leben immer mehr bestimmt, ist ihre Entwicklung und die des Lebens in Gesellschaften untrennbar verbunden. Gelernters Idee, Computer parallel zusammenarbeiten zu lassen (parallel computing), machte ihn 1991 zum Vordenker des Internet. Er will den Computer stärker an die Funktionsweise des menschlichen Gehirns anpassen – und nicht umgekehrt. In seinen Augen behindern herkömmliche Desktop-Computer das Informationszeitalter eher, als dass sie es befördern: Sie haben unser Wissen über die Welt nicht vermehrt, sondern nur die Informationen über ihr Funktionieren. »In der Zukunft werden wir deshalb mit ›Cyberkörpern‹ verbunden sein, die im Computerkosmos treiben – der auch als ›Schwarm‹ oder ›Cybersphäre‹ bezeichnet wird.« Diesem ›Schwarm‹ können wir uns an verschiedenen Orten durch Chipkarten Zugang verschaffen. Diese Vision aus dem Jahre 2000 findet man heute in den Social Media und der ›Cloud‹ verwirklicht. Es ist eine von Gelernters zentralen Ideen, dass je weniger das Medium bemerkbar ist, es desto mehr seinem, unserem Zweck dienen kann. »In der Zukunft werden wir jede Menge Technik haben, und das Schönste daran wird sein, dass wir nicht mehr an die Technik denken müssen. Dankbar und erleichtert werden wir dann zu den Dingen zurückkehren, die wirklich zählen.« Aber was ist es, das wirklich zählt?

Der Amerikaner David Gelernter (*1955) studierte Judaistik und Informatik an der Yale University, wo er heute Computerwissenschaft lehrt. Er ist Verfasser zahlreicher Bücher zur Informatik, zum Judentum und Schöpfer von Romanen und Malerei. Er wurde 1993 bei einem Briefbomben-Anschlag des »Unabombers« Ted Kaczynski verletzt.

David Gelernter schreibt selbst zu seiner Berliner Lektion:
»Das Netz hilft, die Kraft der Sprache zu schwächen: es lohnt sich nicht, modernen digitalen Text sorgfältig zu schreiben oder zu lesen, da er gleich mit weiterem digitalen Text ersetzt wird. Das Netz ist die wichtigste Quelle schlechten Schreibens aller Zeiten, und hilft dabei, sorgfältige Redaktion und sorgfältiges Lesen überflüssig zu machen. E-Mails und SMS sind wahrscheinlich die schlampigsten und simpelsten Formen der schriftlichen Kommunikation seit dem Aufkommen der Bildung. Die Kraft der Wörter gegen die Kraft der Elektronik einzutauschen ist bestenfalls eine faustische Abmachung und schlimmstenfalls eine schlichte Katastrophe. Heute ist es wichtiger für die Kunst, gegen Computer zu wirken als sich mit ihnen zu verbinden – und uns daran zu erinnern, was genaue Lektüre heißt und wie die Kunst aus der Kraft des Wortes entstanden ist.«