Plakat zur Ausstellung "Fabrizio Plessi - Traumwelten"

Plakat zur Ausstellung "Fabrizio Plessi - Traumwelten"

Ausstellung

Fabrizio Plessi

Traumwelt

27. Februar bis 28. Juni 2004

Überall auf der Welt hat Plessi Arbeiten geschaffen, die dem Schicksal von Metropolen und Städten gelten. In Werken, wie sie etwa für New York, für Bombay, für Harlem, für Rom und Kairo, für Sarajevo und Lagos entstanden, verbinden sich Traum und Wirklichkeit, Virtualität und Materialität zu magischen Panoramen. In Traumräumen beschwört Plessi seine Vision der großen Städte. Die imaginativen Bezirke, die der Besucher auf der Passage durch die Ausstellung erlebt, fügen sich schließlich zu jener Traumwelt zusammen, die der Titel der Ausstellung beschwört.

Plessis Reisen und das Echo, das sie in seinen Werken hinterlassen, gelten der Welt, wie sie ist. Da erscheint die glanzvolle Schönheit von „Roma“ – der antike Reflex, der über der Installation liegt, ist atemberaubend. Aber da ist auch die Erschütterung, wie sie durch die Karyatiden der Armen ausgelöst wird – ein Werk, das den zivilen Opfern der Massaker in Sarajevo gewidmet ist. Türme von leeren Koffern verwandeln sich in Stelen des Grauens. Oder in den Worten des Künstlers: „Das Haus der Zukunft wird kein Haus sein. Es wird ein Koffer, ein Paket, eine leere Verpackung sein: schäbige Sachen, die von einer erbärmlichen Existenz zu einer anderen geschafft werden. Wir werden alle arm sein.“

Fabrizio Plessi bereitet durch Tausende von auf seinen Reisen entstehenden Zeichnungen, Collagen und Arbeitsheften die Realisation seiner Werke vor – als fundamentale Dokumentation der Entstehung seiner Installationen wurden sie im Martin-Gropius-Bau ausführlich vorgestellt.

„Traumwelt“, so hieß das Berliner Projekt. Die Ausstellung trug alle erreichbaren Arbeiten zusammen, die den Städten der Welt gewidmet sind. Insgesamt waren im Erdgeschoss des Martin-Gropius-Baus 16 große Rauminstallationen zu sehen. Darüber hinaus wurde die Retrospektive durch noch unbekannte Werke akzentuiert.

„La Flotta di Berlino“ – vollendet im Herbst 2003 – war das Herzstück der Traumwelt. Zwölf venezianische Lastkähne wurden in der zentralen Halle aufgebaut - eine selbsttragende Konstruktion hielt die jeweils zwölf Meter langen Schiffe in etwa acht Metern Höhe in fantastischer Bewegung. „La Flotta di Berlino“ ist eine Hommage an die deutsche Metropole.

So wurde mit Fabrizio Plessi ein Künstler in Berlin vorgestellt, der das elektronisch-mediale Potential dieser Jahre ausgelotet hat wie nur wenige, gerade weil er die hoch entwickelte Technologie des Virtuellen mit Materialien verbindet, die eine Geschichte haben, mit gefundenen Objekten, mit altem Holz, mit Trümmern aus Marmor.

Fabrizio Plessi hat seine Arbeit einmal mit der eines Alchimisten verglichen: „Meine Arbeit ist die eines ungewöhnlichen Alchimisten, der die glanzlosen und ärmlichen Elemente des ‚Natürlichen’ mit den schillernden und lebhaften des ‚Künstlichen’ zusammen leben lassen möchte, wie kommunizierende Röhren. Das Wasser, das durch die Zauberhand der neuen Technologie ein elektronisches geworden ist, wird weiter bis in alle Ewigkeit vor uns dahinströmen, schimmernd und lebendig, und uns in Erstaunen und Verzückung versetzen wie die Wasser der römischen Brunnen aus dem 17. Jahrhundert. Der Künstler als Wesen mit großen Antennen, die wie Seismographen die epochalen Stimmungen und Spannungen auffangen und dabei das geheime Bedürfnis nach Schönheit und Frieden antizipieren, das in gewisser Weise doch jeder, wenn auch sehr unterschiedlich, verspürt.“

Der Künstler: Der 1940 geborene, in Venedig lebende Fabrizio Plessi hat Zeit seines künstlerischen Lebens an der Entwicklung der von den elektronischen Technologien getragenen virtuellen Imagination gearbeitet. Er hat der zeitgenössischen Kunst damit neue zukunftsweisende Wege erschlossen. Heute zählt Plessi zu den Pionieren einer artistischen Praxis, ohne die die Kunst der Gegenwart nicht mehr zu denken ist. Plessi hat Ausstellungen für bedeutende Museen in allen Kontinenten entworfen.

Veranstalter: Berliner Festspiele
Kurator: Carl Haenlein, Hannover
Ausstellungsstationen: Berlin, New York, Los Angeles