Australian Art Orchestra, Christian Lillinger, Brian Marsella

Australian Art Orchestra, Christian Lillinger, Brian Marsella

© Joanna Stoga, Nino Halm, Eleonora Alberto

Konzert

Brian Marsella / Christian Lillinger’s „Open Form for Society“ / Australian Art Orchestra feat. Julia Reidy

Außergewöhnliches am Freitagabend: der Pianist Brian Marsella mit einem seiner seltenen Solokonzerte, der Schlagzeuger Christian Lillinger mit der erst zweiten Aufführung von „Open Form for Society“ sowie das Australian Art Orchestra mit Kompositionen von Peter Knight und Julia Reidy.

Brian Marsella

Deutschlandpremiere

Der Pianist Brian Marsella wuchs in Philadelphia auf und verfolgte in seinen Anfängen eine ungewöhnliche Kombination aus Klassik und R&B. Erst als er nach New York zog, wo er die renommierte New School besuchte, kam seine aufkeimende Liebe zum Jazz zu voller Blüte. Seiner Leidenschaft für brasilianische Musik ging er in Cyro Baptistas Gruppe Beat the Donkey nach, und im Quartett MAST traf sein Interesse an Funk auf die Kompositionen von Thelonious Monk, dem Urvater des Bebop. Sein Talent für Jazz zeigte sich aber vor allem im New Yorker Post-Bop-Quintett The Flail, mit dem er in den letzten zehn Jahren hauptsächlich zusammenspielte. Und zu seiner Hochform lief er mit einem Trio auf, das ursprünglich gegründet wurde, um die Musik von John Zorn zu spielen. Gemeinsam mit dem Bassisten Trevor Dunn und dem Schlagzeuger Kenny Wollesen spielte Marsella zwei hervorragende Alben mit Kompositionen von Zorn ein, auf denen der Pianist in halsbrecherischem Tempo den Geist von unterschätzten Vertreter*innen des Bebops aus den 1950er Jahren, wie Elmo Hope und Herbie Nichols, heraufbeschwört. Im vergangenen Jahr tat er sich mit dem Bassisten Christian McBride und dem Schlagzeuger Anwar Marshall zusammen, um mit dem Album „Outspoken: The Music of the Legendary Hasaan“ die Musik eines weiteren verkannten Klaviergenies zu feiern. Beim Jazzfest Berlin 2019 wird Brian Marsella sein Deutschlanddebüt mit einem seiner seltenen Solokonzerte geben.

Christian Lillinger: Open Form for Society

Der Berliner Komponist Christian Lillinger gehört zu den profiliertesten Schlagzeugern und Bandleadern; sein Ansatz, Rhythmen in ständig wechselnde, treibende Untereinheiten aufzuteilen, ist unverwechselbar. In diesem Jahr stellt er sein bisher ambitioniertestes Projekt vor, eine akribisch ausgearbeitete Symphonie aus Beats, Keyboard-Patterns und Streicher-Elementen, die auf die improvisatorische Kreativität seines herausragenden Ensembles trifft. Seine eigenen stotternden Drumbeats werden durch die fraktalen Linien von Klavier, Bass, Cello, Perkussion und Synthesizer zu einer bewegten Landschaft aus abstrakten elektronischen Klanggebilden und herausfordernden Melodien ergänzt, die ebenso von zeitgenössischer Klassik und Hip-Hop beeinflusst ist wie von Jazz. Durch eine intensive Nachbearbeitung reduzierte Lillinger zusammen mit Johannes Brecht das im Studio eingespielte Material, eliminierte jeden überflüssigen Ton und schuf so einen verdichteten, kraftvollen Strom musikalischer Bewegungen. Nach der Premiere in Donaueschingen im Oktober spielt das Ensemble diese Musik beim Jazzfest Berlin zum erst zweiten Mal überhaupt gemeinsam in Echtzeit.

Christian Lillinger Open Form for Society bei YouTube

Australian Art Orchestra feat. Julia Reidy

Das Australian Art Orchestra wurde 1994 gegründet und verfolgt seit Jahrzehnten ein breites und vielseitiges musikalisches Spektrum. Inspiriert durch experimentierfreudige, jazzaffine Ensembles wie das Art Ensemble of Chicago und das Vienna Art Orchestra hat das Orchester eine ganz eigene, eklektische Identität entwickelt. Über die Jahrzehnte hinweg hat das Ensemble, nun schon seit längerem unter der Leitung des Trompeters Peter Knight, verblüffend detailreiche Adaptionen entwickelt, die sich unter anderem der Musik des australischen Aborigine-Stamms der Yolngu, europäischen Volks- und Kunstliedern der 1930er Jahre, Volksmelodien und Straßengeräuschen aus der chinesischen Provinz Sichuan sowie der „Matthäus-Passion“ von Johann Sebastian Bach widmen. All diese Arbeiten sind von kühnen Improvisationen und packenden, oft humorvollen Arrangements geprägt. Bei ihrem Jazzfest-Berlin-Debüt wird das Australian Art Orchestra mit der Aufführung zweier Kompositionen von Peter Knight zu erleben sein: „The Sharp Folds“ und „The Plains“, letztere basierend auf Gerald Murnanes gleichnamigem Roman. Außerdem bringt das Ensemble das neue Auftragswerk einer wunderbar eigensinnigen Gitarristin und Wahlberlinerin zur Uraufführung, die sich ebenso wie ihre australischen Kolleg*innen, mit denen sie sich die Bühne teilen wird, jeder Orthodoxie verweigert: Julia Reidy, eine überzeugte Experimentalistin, deren Musik Post-Pop-Autotune-Effekten und freien Improvisationen ebenso ihren Platz einräumt wie ihrer Post-John-Fahey-Fingerstyle-Spieltechnik.

Australian Art Orchestra The Sharp Folds bei Vimeo
Australian Art Orchestra The Plains bei Vimeo
Julia Reidy bei Bandcamp

18:00
Brian Marsella (USA) Deutschlandpremiere

Brian Marsella piano solo

18:30
Christian Lillinger (D / GR / SVN / AUT / UK / SWE)
Open Form for Society

Christian Lillinger composition, drums, concept
Cory Smythe piano
Kaja Draksler upright piano
Elias Stemeseder synth, piano
Christopher Dell vibraphone
Roland Neffe marimba, vibraphone, glockenspiel
Lucy Railton cello
Petter Eldh double bass, e-bass
Robert Landfermann double bass

Pause

20:00
Australian Art Orchestra feat. Julia Reidy (AU) Deutschlandpremiere
Compositions by Peter Knight and Julia Reidy

Julia Reidy guitar
Simon Barker drums
Jacques Emery double bass
Andrea Keller piano
Tilman Robinson electronics
Georgina Darvidis vocals
Lizzy Welsh violin
Aviva Endean clarinet, flute
James Macauley trombone
Peter Knight trumpet, electronics
Jem Savage technical producer

Das Programm des Australian Art Orchestra ist gefördert durch

Australia Council for the Arts