Julen Desprez, Sao Paulo Underground, COCO, T(r)opic

Julen Desprez, Sao Paulo Underground, COCO, T(r)opic

© Sylvain Gripoix, Jason Marck, Palefroi, Laurent Poiget

Konzert

Late Night Lab 2

T(r)opic / São Paulo Underground / COCO

Das Format der Late Night Labs bietet eine Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit und präsentiert am Samstagabend drei Projekte mit sich überschneidenden Besetzungen – T(r)opic, São Paulo Underground und COCO –, die in stets wechselnden Formationen die Arenabühne des Jazzfest Berlin bespielen.

Late Night Lab

Creation

Das Jazzfest Berlin stellt mit den Late Night Labs eine neue Plattform für multidisziplinäre Zusammenarbeit vor, auf der sich am Samstag drei zusammenhängende Projekte mit sich überschneidenden Besetzungen begegnen. T(r)opic, ein Nonett unter der Leitung des Trompeters Rob Mazurek und des Gitarristen Julien Desprez, die beide im Programm des Jazzfest Berlin 2018 vertreten waren, wurde Anfang 2019 zunächst von Sons d’hiver in Auftrag gegeben und bildet den Kern dieses Late Night Labs. Im Laufe der 120-minütigen Performance werden sich zwei weitere Gruppen der beiden Leader dazugesellen, die stark durch brasilianische Musik beeinflusst sind: Mazureks São Paulo Underground und Desprezʼ COCO werden Bestandteil einer umfassenderen Struktur. Ganz wie beim Late Night Lab am Freitag werden sich die Musiker*innen um T(r)opic in immer wieder neuen Unter-Gruppierungen zusammenfinden und dabei bereits existierende, eigenständige Ensemble-Konfigurationen ebenso wie gänzliche neue Konstellationen durchlaufen. Im Lauf des Abends wird das Ensemble zwar immer wieder auf komponierte Ausgangsmaterialien zurückgreifen, das eigentliche Ziel besteht aber darin, ein Kaleidoskop fließender Improvisationen zu schaffen – sowohl im Hinblick auf die kreativen Beiträge einzelner Musiker*innen als auch darauf, wie die einzelnen Elemente ineinanderfließen oder produktive Störungen produzieren. Die Performance der Musiker*innen und Tänzer*innen wird darüber hinaus durch aufwendige LED-Lichteffekte – ausgelöst von den akustischen Impulsen, die im musikalischen Bühnengeschehen entstehen – um eine zusätzliche visuelle Komponente bereichert.

T(r)opic

Deutschlandpremiere

Seit sie sich in dem transatlantischen Netzwerk The Bridge kennenlernten, verbindet den Chicagoer Trompeter Rob Mazurek und den Pariser Gitarristen Julien Desprez eine enge musikalische Freundschaft. T(r)opic wurde Anfang 2019 von Sons d‘hiver in Auftrag gegeben und stellt ihr bisher anspruchsvollstes Projekt dar: ein multidisziplinäres Zusammenspiel von Bewegung und Sound mit einigen der weltweit renommiertesten Improvisator*innen. Das Ensemble erarbeitet seine Performances auf der Grundlage von grafischen Partituren, komponierten Themen und von Mazurek und Desprez verfassten Texten, die zum Teil in 3D projiziert und für das Publikum mittels 3D-Brillen erlebbar gemacht werden. „Das komponierte Material wird in Choralform eingerichtet, als melodische Intervallstrukturen, die mithilfe von speziellen Harmonien und Formen gespielt und improvisiert werden können“, sagt der Trompeter. Die Musiker haben bereits in zahlreichen Formationen zusammengespielt und ein intuitives Gefühl füreinander entwickelt; dadurch ist es ihnen möglich, aus der vielteiligen Partitur endlose Variationen und Kombinationen zu weben. Als Ensemble bevorzugen T(r)opic puren Sound und klare Strukturen als Ausdrucksform und verbinden darin melodische Kontrapunkte, extreme Sprünge in der Dynamik und eine elektrisierende Körperlichkeit.

Julien Desprez Acapulco 'Redux' bei YouTube

São Paulo Underground

Während eines längeren Aufenthalts im brasilianischen Amazonasgebiet zu Beginn des Jahrtausends knüpfte der Kornettist und Komponist Rob Mazurek aus Chicago diese Verbindung mit zwei vielseitigen und flexiblen Musikern aus São Paulo: dem Perkussionisten Mauricio Takara und dem Keyboarder Guilherme Granado. In den zehn Jahren ihrer Zusammenarbeit schufen die Künstler eine außergewöhnliche Synthese verschiedener Traditionen: vom investigativen Global Jazz eines Don Cherry bis zu den Rhythmen der Straßen von Pernambuco. Die Musik des Trios São Paulo Underground zeichnet sich durch eine originelle Symbiose aus prägnanten Melodien, üppig geschichteten elektronischen Strukturen und modernen Formelementen aus, darunter Hip-Hop-Breakbeats und tänzelnde Sambo-Grooves. Diese Mischung ist von weiten Freiräumen durchsetzt, die es den Musikern erlauben, raffiniert zwischen den verschiedensten Codes zu wechseln. Auf seinem letzten Album, „Cantos Invisíveis“, experimentiert das Trio mit neuen Sounds, wie zum Beispiel kreisenden, melodischen Formen aus dem Fernen Osten oder zartem, kosmischem Pop wie dem der Beach Boys. All das wird meisterhaft zu einem aufregenden Klanggemisch verarbeitet, das noch in seinen zerbrechlichsten Momenten eine unaufhaltsame Bewegung auszudrücken scheint.

São Paulo Underground bei Soundcloud

COCO

Deutschlandpremiere

Der französische Gitarrist Julien Desprez konzipierte dieses multidisziplinäre Projekt, das nach seiner Weltpremiere auf dem Festival Musica in Straßburg beim Jazzfest Berlin erst zum zweiten Mal überhaupt zu erleben sein wird, als dynamische Kollision von unterschiedlichen Sounds und Stilen. Die zeitgenössischen Tänzerinnen Pauline Simon und Ana Rita Teodoro sind im traditionellen brasilianischen Tanz Coco geschult, einer lebendigen Volkstradition aus der nordöstlichen Region des Landes, die aus der Sklaverei stammt und sich durch rhythmisches Stampfen auszeichnet. In ihrer Performance werden sie mit einer Soundattacke aus Julien Desprezʼ effektgeladener, noise-lastiger E-Gitarre und der abstrakten, auf Reibung basierenden Perkussion von Julien Loutelier konfrontiert. Dieses Trommelfeuer aus fehlgezündeter, stockender Bewegung und Struktur lässt sich auf den ersten Blick kaum mit der uralten Choreografie, die gleichzeitig stattfindet, auf einen Nenner bringen. Doch durch die Verstärkung werden die Gesten der Tänzerinnen zu Musik, während die Körperlichkeit des elektrischen Sounds wie eine unsichtbare und doch spürbare Präsenz durch den Raum jagt und die Unterscheidung zwischen Musiker*innen und Tänzerinnen obsolet werden lässt.

T(r)opic (PT / DK / SWE / BR / USA / FR / NO) Deutschlandpremiere

Susana Santos Silva trumpet
Mette Rasmussen sax
Isabel Sorling vocals, electronics
Lotte Anker sax
Mauricio Takara e-percussions
Gerald Cleaver drums
Ingebrigt Haker Flaten bass
Rob Mazurek trumpet, cornet, electronics
Julien Desprez e-guitar

São Paulo Underground (BR / USA)

Mauricio Takara e-percussions
Guilherme Granado keys, electronics
Rob Mazurek trumpet, cornet, electronics

COCO (reduced version) (FR / PT) Deutschlandpremiere

Julien Desprez e-guitar
Julien Loutelier percussion
Pauline Simon dance, performance
Ana Rita Teodoro dance, performance

Mathieu Constans 3D video maker / lighting designer