Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

© Wonge Bergmann

Konzert

Ensemble Modern Orchestra

Vimbayi Kaziboni, Leitung
Gastspiel: Frankfurt/Main

Die innovative Kraft des Ensemble Modern Orchestra und die genreübergreifende Kompositionsweise von Heiner Goebbels treffen erneut aufeinander: Anlässlich des Beethoven-Jahres wird Heiner Goebbels ein neues Werk schreiben, dessen Uraufführung beim Musikfest Berlin 2020 stattfindet.

19:10 Einführung

Bereits im Programm seiner Gründungstournee 1998 hatte das Ensemble Modern Orchestra ein Orchesterwerk von Heiner Goebbels im Programm. Nun wird der Komponist und Regisseur auf Initiative des Musikfest Berlin und des Ensemble Modern zum Beethoven-Jahr 2020 einen neuen Zyklus für den Frankfurter Klangkörper schreiben, das das Orchester als vielstimmiges Kollektiv in den Blick nimmt. Vielstimmigkeit geht dabei über die rein musikalische Dimension, die Gleichzeitigkeit separater musikalischer Prozesse, hinaus. Sie schließt auch jene Elemente ein, die das Symphoniekonzert als kulturelle Praxis prägen: Von der räumlichen Aufstellung und den Bewegungen der Musiker*innen auf der Bühne, über die Rituale des Konzertformats bis hin zur Lichtsituation im Konzertsaal. Das abendfüllende Werk wird die historisch gewachsenen Konventionen, Hierarchien und eingeübten Rituale hinterfragen, um die dem Orchester als Klangkörper wie als sozialen Organismus innewohnende Vielfalt freizusetzen.

„In der Berliner Philharmonie konnte ich 2003 eine überraschende Erfahrung machen – nicht im Konzert, sondern in einer Umbaupause. Simon Rattle hatte zuvor mit den Berliner Philharmonikern an meinem Orchesterstück „Aus einem Tagebuch“ gearbeitet, nach der Pause stand Beethovens 3. Klavierkonzert auf dem Programm – das Orchester hatte die Bühne für die Pause verlassen.

Nur Simon Stockhausen saß noch am Keyboard und korrigierte die Lautstärke und das Tempo von Maschinensounds, die in meiner Komposition als Samples zugespielt werden, als Alfred Brendel auf die Bühne kam und sich mit einigen Takten von Beethovens Klavierkonzert einspielte – von den industriellen Geräuschen völlig unbeeindruckt. Dazu trat in die Mitte der Bühne ein Bühnenmeister, der mit lauter Stimme begann, dem Maschinisten die Höhe der Podien zuzurufen, die für die neue Orchesteraufstellung verändert werden mussten: ‚Fünfundvierzig! Siebenundvierzig! Fünfzig!‘

Das störte weder Brendel noch Stockhausen. Niemand spielte sich hier auf, alle drei gingen hochprofessionell und konzentriert ihren jeweiligen Aufgaben nach, und die Maschinengeräusche, Beethovenfragmente, Zahlenreihen liefen unabhängig und gleichberechtigt nebeneinander ab. Geräusch, Musik und Stimme – alle hatten Platz in einer entspannten, selbstverständlichen, fast utopischen Koexistenz: unhierarchisch und jeder für sich.

In diesem Moment entstand nicht nur eine ungewöhnliche Musik, sondern auch ein für die zentriert ausgerichtete Bühne sehr ungewöhnliches Bild – nämlich drei Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und ästhetischen Sphären, in verschiedene Richtungen schauend und dabei eine sich wie von Geisterhand bewegende Bühne.“

Nach der Uraufführung beim Musikfest Berlin in der Philharmonie wird das Werk in der Hamburger Elbphilharmonie, in der Reihe musica viva des Bayerischen Rundfunks in München, in der Kölner Philharmonie und beim Festival Wien Modern zu hören sein.

Konzertprogramm

Heiner Goebbels (*1952)
Neues Werk
Ein Zyklus für das Ensemble Modern Orchestra (2020)

Kompositionsauftrag von Ensemble Modern, Berliner Festspiele / Musikfest Berlin, Elbphilharmonie Hamburg, musica viva / Bayerischer Rundfunk, Kölner Philharmonie, Wien Modern und beuys2021
Uraufführung

Ein Projekt im Rahmen von BTHVN 2020. Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

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