Sir John Eliot Gardiner

Sir John Eliot Gardiner

© Chris Christodoulou

Konzert

Orchestre Révolutionnaire et Romantique

Sir John Eliot Gardiner, Leitung
Gastspiel: London

Nach dem fulminanten Erfolg von Berlioz’ „Benvenuto Cellini“ beim Musikfest Berlin 2019 präsentieren Sir John Eliot Gardiner, der Monteverdi Choir und das Orchestre Révolutionnaire et Romantique Beethovens „Missa solemnis“ – das Werk, mit dem 1989 die Karriere des außergewöhnlichen Orchesters begann.

18:00 Quartett der Kritiker
zu „Missa Solemnis“

Sie überwältigt ihre Hörer. Sie stellt Rätsel, löst Kontroversen aus. Beethoven hielt die „Missa solemnis“ für sein „größtes, gelungenstes“ Werk. Für Künstler wie den Pianisten Igor Levit war sie das Initialerlebnis, das sie zu Beethoven drängte. Der Komponist nannte sie ein Oratorium, das heißt: Sie ist nicht für den Gottesdienst gemacht. Sie vereint Dramatisches und Spirituelles, handgreiflichen Realismus und feinste künstlerische Sublimierung, szenische Deutlichkeit und philosophische Weisheit.

John Eliot Gardiner hat sich mit dem großen Bekenntniswerk Beethovens, das Jahrhunderte europäischer Geistes- und Musikgeschichte einholt und neu denkt, über Jahrzehnte immer wieder auseinandergesetzt. 1990 spielte er die „Missa“ zum ersten Mal ein – mit eben den Ensembles, die sie nun beim Musikfest Berlin aufführen. Beide, den Monteverdi Choir und das Orchestre Révolutionnaire et Romantique, gründete er einst selbst. Sie unternahmen mit ihm die Expeditionen in die historischen Kontexte überlieferter Musik und gewannen daraus die Erkenntnis dessen, was die alten Werke den Menschen von heute zu sagen haben. Ein eindrucksvolles Beispiel solch mitreißender Vergegenwärtigung gaben sie beim Musikfest 2019 mit der konzertanten Aufführung von Hector Berlioz’ Oper „Benvenuto Cellini“.

Die „Missa solemnis“ stellt keine geringeren Anforderungen als Berlioz’ Musikdrama. In die Vielgestaltigkeit ihrer Partitur flossen Traditionen der Oper, der Messfeier, der Symphonie, des Konzerts und der geistlichen Musik ein. Die teilweise widerstrebenden Kräfte in die richtige Balance zu bringen, verlangt die Fähigkeit, „immer das Ganze vor Augen“ (Beethoven) zu haben. Beethoven ließ den Text des lateinischen Messordinariums zwar unverändert, aber er komponierte ihn wie ein Libretto, zu dem sich die Musik nicht nur affirmativ verhalten muss. Entstanden ist kein Bekenntnis zum dreieinigen Gott nach gängiger Christenlehre, sondern ein Werk über die ewige Auseinandersetzung zwischen Mensch und Gottheit, zwischen Irdischem und Himmlischem – über den Weg zum „inneren und äußeren Frieden“, für den der Mensch wohl Leitsterne außerhalb seiner akuten Verfassung braucht.

Konzertprogramm

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Missa Solemnis D-Dur op. 123 (1819 – 1822/23)
für vier Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel

Besetzung

Lucy Crowe Sopran
Elisabeth DeShong Alt
Allan Clayton Tenor
Morris Robinson Bass

Monteverdi Choir
Orchestre Révolutionnaire et Romantique
Sir John Eliot Gardiner Leitung

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin im Rahmen von BTHVN 2020. Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

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