Theater
10er Auswahl

The Vacuum Cleaner

von Toshiki Okada
aus dem Japanischen von Andreas Regelsberger

Münchner Kammerspiele

Uraufführung 12. Dezember 2019

Toshiki Okada untersucht das Phänomen „Hikikomori“. Es bezeichnet Menschen, die unter einem so starken gesellschaftlichen und kapitalistischen Druck leiden, dass sie ihr Zuhause nicht mehr verlassen.

The Vacuum Cleaner

The Vacuum Cleaner. Damian Rebgetz, Thomas Hauser, Annette Paulmann, Walter Hess, Julia Windischbauer

© Julian Baumann

  • 1 h 40 min, ohne Pause

Homare ist eine „Hikikomori“: Sie hat sich aus der Gesellschaft zurückgezogen und verlässt ihr Zimmer kaum oder gar nicht. Wie gestaltet sich das Zusammenleben unter einem Dach mit ihrem 80-jährigen Vater, ihrem Bruder und dessen Ex-Kollegen aus dem Amazon-Lagerhaus? Toshiki Okada nimmt ein soziales Phänomen der heutigen japanischen Gesellschaft unter die Lupe und nutzt dazu seine besondere Bewegungssprache, die asynchron zum Text läuft und nicht nur faszinierend anzusehen ist, sondern auch die innere und die äußere Wirklichkeit der Figuren in ein merkwürdiges Verhältnis setzt.

Statement der Jury

Saturiert alternde westliche Hochzivilisationen (in diesem Fall die japanische) fordern ihre Opfer. Ausgangspunkt für Toshiki Okada ist eine Hikikomori, eine inzwischen über fünfzigjährige Frau, die noch immer sozialapathisch bei ihrem über achtzigjährigen Vater lebt. Beobachtet wird sie unter anderem von ihrem titelgebenden Staubsauger, der sich mit der boden- und staubzentrierten Perspektive vorstellt: „Ich bin der Typ, der mehr auf unten achtet.“ Mit Vater und Tochter lebt ein erwachsener Sohn, der noch zu Hause wohnt und seine versteckte Arbeitslosigkeit tagsüber in Parks und Malls spazieren führt, sowie dessen neuer Freund, der nach vier Tagen bei Amazon gekündigt hat, weil er den Scheißjob nicht aushält: ein Panorama aus Wohlstandblase, Sozialphobie, Durchschnittsarbeitsbiografie, Perspektivlosigkeit, Depression und McJob-Elend. Die Gesten laufen immer etwas neben der Spur und folgen vergrößernd dem Gesagten und Gefühlten: Blüten des Verfalls im Irgendwo zwischen sozialer Fremdsteuerung und den Resten eigener Handlungsfähigkeit.

Besetzung

Regie Toshiki Okada
Bühne Dominic Huber
Kostüme Tutia Schaad
Musik Kazuhisa Uchihashi
Licht Pit Schultheiss
Dramaturgie Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

Chôhô Walter Hess
Homare, Chôhôs Tochter Annette Paulmann
Richigi, Chôhôs Sohn Damian Rebgetz
Hide, Freund von Richigi Thomas Hauser
Deme Julia Windischbauer

The Vacuum Cleaner. Videotrailer

© Münchner Kammerspiele