Der Mensch erscheint im Holozän

Der Mensch erscheint im Holozän. Karin Pfammatter, Maximilian Reichert

© Zoé Aubry

Theater
10er Auswahl

Der Mensch erscheint im Holozän

Ein Visual Poem von Alexander Giesche
nach der Erzählung von Max Frisch

Schauspielhaus Zürich

Premiere 23. Januar 2020

Alexander Giesche inszeniert die Erzählung Max Frischs, die den Sisyphoskampf des Menschen gegen den eigenen Untergang verhandelt, als eine von der Fantasie beflügelte hochpoetische Geduldsprobe.

  • 1 h 50 min, ohne Pause, plus Film im Anschluss

Ein Berghang kommt ins Rutschen und Herr Geiser verliert sein Gedächtnis. Alexander Giesche und sein Team fassen das Verschwinden eines Menschen und das Abdriften der Natur, von dem Max Frischs Erzählung handelt, in ein Visual Poem von berückender Schönheit und inhaltlicher Konsequenz. In der poetischen Bühnenlandschaft haben digitale und analoge Elemente Platz, verbinden sich Licht, Musik und Regen zu einer Gesamtkomposition und ein virtuoses Schauspielduo führt zärtlich durch eine unheimlich entrückte, andauernde Katastrophe.

Statement der Jury

Herr Geiser geht unter: im regenverhangenen Tessin und in der zunehmenden Vergesslichkeit, in einem abgeschnittenen Bergdorf gegenüber rutschenden Hängen. Alexander Giesche findet bei Frisch weniger die Erzählung vom Abhandenkommen der Welt und vom Sich-Verlieren als einen Text, der über das Verhältnis von Mensch und Natur nachdenkt, über die Wissensaneignung als Existenzvergewisserung. Der Tessiner Dauerregen prasselt in allen erdenklichen Tonlagen und Farbgebungen über den Vorhang und auf den Bühnenboden; Wissensmaterial vom Zementmischer bis zum holografischen Projektor sammelt sich an und verschwindet in der Versenkung; Kinder überwinden solidarisch einen Abgrund. Auch der Dinosaurier taucht auf, an den Max Frisch ein Salamander im Wohnzimmer erinnert hatte. „Katastrophen kennt allein der Mensch“, schreibt er, „sofern er sie überlebt. Die Natur kennt keine Katastrophen.“

Besetzung

Regie Alexander Giesche
Bühne Nadia Fistarol
Kostüme Felix Lübkemann
Komposition Ludwig Abraham
Video Luis August Krawen
Licht Frank Bittermann
Dramaturgie Joshua Wicke

Mit
Karin Pfammatter, Maximilian Reichert

Kinderstatist*innen Benjamin Bubica, Rosa Curi, Alexia Finocchiaro-Piu, Julia Kalberer, Matti Kramer, Cara Stäger
Kinderstimme Einspieler Shelley Fistarol

Der Mensch erscheint im Holozän. Videotrailer

© Schauspielhaus Zürich

Unterstützt von Ars Rhenia