John Cage

John Cage

© Christopher Felver

Konzert
John Cage und die Folgen

John Cage / Joan La Barbara

John Cage und die Folgen

Die Sängerin und Stimmperformerin Joan La Barbara, die eng mit John Cage zusammen gearbeitet hat, eröffnet das Festival MaerzMusik. Ihre Neuinszenierung seiner emblematischen Song Books (1970), in einer Simultanaufführung mit dem Concert for Piano and Orchestra (1958), wird ausgeführt von ihrem New Yorker Ensemble Ne(x)tworks und den ausgewiesenen Kennern der Vokalstücke von John Cage, den Maulwerkern aus Berlin.

Das Concert for Piano und Orchestra, das 1958 in der New Yorker Town Hall mit David Tudor am Klavier und Merce Cunningham als Dirigent uraufgeführt wurde, stieß auf lautstarke Ablehnung wie auch auf ausgesprochenen Zuspruch. Es bedeutete den Höhepunkt der Nichtdeterminiertheit, der Unvorherbestimmtheit, in der Musik und formulierte damit eine klare Absage an den Kompositionswillen wie auch eine Freiheitsbekundung für Interpreten, Hörer und für die Klänge selbst. »Das einzig Konsistente in diesem Stück war, dass ich nicht konsistent zu sein brauchte«, so John Cage.

Die Song Books, eine Sammlung von kurzen Stücken, beinhalten Lieder, Lieder mit Elektronik, Anweisungen für theatralische Aufführungen und für theatralische Aufführungen mit Elektronik. Sie können solistisch oder von mehreren Sängern vorgetragen werden, in beliebiger Reihenfolge und mit beliebigen Überschneidungen. Die Vielfalt der offenen Notationssysteme und Aufführungsmaterialien – von traditionellen Notationen, grafischen Notationen, typographisch gestalteten Texten, von Zeichnungen bis hin zu Fotografien – verlangen dem Interpreten ein Höchstmaß an Eigenständigkeit und Einfallsreichtum ab. Zufallsoperationen können dazu dienen, Entscheidungen zu treffen, Zeitverläufe festzulegen oder Handlungen und Bühnenbewegungen des nicht-narrativen Theaters zu ermitteln. Die Texte der Song Books stammen u. a. von Henry David Thoreau, Marcel Duchamp, Buckminster Fuller, Marshall McLuhan und Friedrich Schiller.

John Cage war Joan La Barbaras Freund und Mentor. »Sein nachhaltiger Einfluss in meiner Musik besteht im Lösen von Aufgaben, verschiedenartige Elemente entgegen den Gesetzen der Logik zu verbinden und trotzdem erstaunliche Resultate zu erzielen.« In ihrem neuen Werk Persistence of Memory (2011) kann man dies hören. Es ist eine Gegenüberstellung von Klangausbrüchen und kantigen musikalischen Phrasen, die, manchmal irritierend, manchmal beruhigend, mit hämmernden Rhythmen und kräftigen Stößen die Präsenz von Klang in dessen Abwesenheit unterstreichen – die Stille als Rahmen, so Joan La Barbara. Alexsandar Kostic schuf zu diesem Werk mit seinem Film eine komplementäre visuelle Ebene, die nicht illustrierend ist, sondern ko-existiert.

John Cage
Song Books (1970)
mit
Concert for Piano and Orchestra (1958)
Premiere der Neuproduktion

Joan La Barbara
Persistence of Memory
für Kammerensemble, ‘sonic atmosphere’ und Elektronik,
mit einem Film von Aleksandar Kostic (2012) UA

Song Books
Joan La Barbara, Künstlerische Leitung
Volker Straebel, Szenische Einrichtung
Harald Frings, Licht
Martin Supper, Klangregie
Thomas Koch, Assistenz Klangregie

Persistence of Memory
Ne(x)tworks: Joan La Barbara, Stimme / Stephen Gosling, Klavier / Yves Dharamraj, Violoncello / Ariana Kim, Violine / Christopher McIntyre, Posaune / Miguel Frasconi, Glasinstrumente · Computer / Shelley Burgon, Harfe · Computer

Maulwerker: Michael Hirsch / Ariane Jeßulat / Henrik Kairies / Christian Kesten / Katarina Rasinski / Steffi Weismann

In Zusammenarbeit mit Berliner Künstlerprogramm des DAAD und The American Academy in Berlin. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.