Konzert / Performance
Jazzfest Berlin Outer Spaces

Ap Lla: „Ceremony of Inevitable“

by Topsi Unter Haltung

Der Bassist und Improvisationskünstler Joel Grip und sein Ensemble widmen sich in einer vierteiligen zeremoniellen Performance der verloren gegangenen und wieder erfundenen Kunstsprache „Ap Lla“.

Ap Lla: „Ceremony of Inevitable“

Ap Lla: „Ceremony of Inevitable“

© Joel Grip

Sehen Sie dieses Konzert live, online im Festivalstream oder als Aufzeichnung nach dem Festival auf ARTE Concert und Jazzfest Berlin on Demand.

Commission

Der Berliner Bassist Joel Grip leitet seine hingebungsvolle Crew durch rituelle Zeremonien, wobei sich die Gruppe einer hybriden Kunst-Sprache namens Ap Lla bedient, um Klang, Gesang, Gestik und Tanz in ihrer Offenheit zu lenken. Die bildhaften Elemente des multireferenziellen Ap Lla-Alphabets weisen je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen auf und gehen in ihrer Abstammung von numerologischen Schriftzeichen auf non-verbale Kommunikations- und Erzähltechniken zurück. Musikalisch äußert sich der Sprachgebrauch in einer ephemeren Spielweise, die sich in ihrem modularen und fließenden Charakter schwer greifen lässt. Die Ursprünge der Ap Lla-Tradition liegen in den Sessions des Berliner Klub Demboh und einer Konzertreihe im Au Topsi Pohl. Seither haben Grip und seine Partner*innen ihr komplexes System ausgebaut und greifen nun auf so unterschiedliche Traditionen wie die Höhlenmalerei, Shaker-Poesie, Hip-Hop und Hildegard von Bingens „Lingua ignota“ zurück. Das vielseitige Ensemble nimmt dabei Anregungen aus der freien Improvisation auf und überführt das fluide Zusammenspiel in eine Poetik, die der Flüchtigkeit huldigt, ganz im Sinne von Eric Dolphys legendärem Zitat: „Wenn die Musik vorüber ist, hat sie sich in Luft aufgelöst.“ Doch mit seinem komplexen Instrumentarium geht das Ensemble über reine Musik hinaus. Mit Poesie und zweisilbigen ‚Graphonogestiken‘ als Erzählform sind die Musiker*innen in der Lage, kompositorische Vorgaben außer Kraft zu setzen und in Echtzeit neue Klangkonfigurationen zwischen den Instrumentalist*innen abzustimmen. Ap Lla wirkt auf den ersten Blick abstrakt, ermöglicht aber ein selten präzises Wechselspiel von musikalischen Konzepten, die mit zunehmender Sprachbeherrschung der Ensemblemitglieder an Intensität gewinnen. Als Zuschauer kann man den kunstsprachlichen Austausch innerhalb der Gruppe mithilfe eines Ap Lla-Wörterbuchs nachvollziehen, das bei der Performance in der Kuppelhalle in gedruckter Form und für das Online-Publikum digital zur Verfügung gestellt wird.

Dieses Konzert ist Teil von Jazzfest Berlin Outer Spaces

Joel Grip double bass, voice
Simon Sieger piano, voice
Hogir Göregen percussion, voice
Prune Becheau violin, voice
Marie Takahashi viola, voice
Anil Eraslan cello, voice
Antonio Borghini double bass, voice
Franziska Hoffmann voice, violin