RIAS Kammerchor

RIAS Kammerchor

© Matthias Heyde

Konzert
Wolfgang Rihm 60

RIAS Kammerchor

Wolfgang Rihm 60

Geistliche Musik steht beileibe nicht im Zentrum seines Schaffens, und eigentlich hatte Wolfgang Rihm mit Vollendung seiner Passionsstücke nach Lukas, des 2000 uraufgeführten Deus Passus, auch schnell sein „Mönchsgewand wieder ablegen wollen“, wie er sich selbst erinnert. Doch es kam anders.

Mehr und mehr fasziniert von der Anregung, einige A-cappella-Werke für die Karwoche zu schreiben, brachte er in den Folgejahren die Sieben Passions-Texte zu Papier, lateinische Motetten im Geist des Vergangenen und im Wissen um seine Unwiederbringlichkeit. »Singt es wie alte Musik«, hatte Rihm seinen Auftraggebern von Singer Pur geraten, „dann hört man, dass es keine ist“. Nie zuvor hatte der dünnhäutige Klangträumer ein derart geheimnisvolles Stimmweben ersonnen, vieldeutig, phantasmagorisch, verschollen zwischen den Zeiten, verletzlich und verletzt zugleich. Musik, die erschaudern lässt, eingebunden in einen Dialog mit den hier erstmals aufgeführten Fragmenta passionis, fünf kurzen Motetten aus dem Jahr 1968, sowie den Musikalischen Exequien des „Übervaters“ Heinrich Schütz. Dessen Leichenrede für den thüringischen Landesherrn Heinrich von Reuß darf als Urbild jeder künstlerischen Verarbeitung von Tod und Verklärung gelten – und scheint auch bei Rihm nachzuklingen.

Wolfgang Rihm
Fragmenta passionis
Fünf Motetten für gemischten Chor a cappella (1968) UA
Heinrich Schütz
Musikalische Exequien (1668)
Begräbnismusik in drei Teilen für Stimmen und basso continuo
op. 7 SWV 279 – 281 (1636)
Wolfgang Rihm
Sieben Passions-Texte
für sechs Stimmen (2001–06)

Zwischen den Passions-Texten erklingen Werke für Orgel von Johann Pachelbel: Präludium g-Moll, Fantasia d-Moll, Präludium c-Moll

RIAS Kammerchor
Hans-Christoph Rademann, Leitung
Solisten des RIAS Kammerchor
Aleke Alpermann, Violoncello
Wieland Bachmann, Kontrabass
Raphael Alpermann, Orgel

In Zusammenarbeit mit RIAS Kammerchor / ROC Berlin und Kulturbüro SOPHIEN