Theater

Temple du présent

Solo for an Octopus

Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) in Zusammenarbeit mit Judith Zagury und Nathalie Küttel (ShanjuLab)

Deutschlandpremiere
Uraufführung: Januar 2021, Théâtre Vidy-Lausanne

Wie können wir ein Tier verstehen, dessen Intelligenz sich radikal von der unseren unterscheidet? Wie stellen wir eine Beziehung zur Natur her, ohne sie zu vereinnahmen? Und wer beobachtet hier wen? In „Temple du présent.“ wird ein Oktopus zum Protagonisten der Aufführung.

Temple du présent. Solo for an Octopus

Temple du présent - Solo for an Octopus. Videotrailer

© Rimini Protokoll

  • ca. 50 min, ohne Pause

Tickets
Der Vorverkauf beginnt voraussichtlich im Februar 2021.

Acht Arme, drei Herzen, maximale Flexibilität des Körperbaus, ein dezentrales Nervensystem, die Fähigkeit, über Farbe und Textur zu kommunizieren, aber vor allem eine große Neugierde und Offenheit gegenüber der Begegnung mit Menschen. Der Oktopus scheint nicht nur fremd und interessant, sondern auch interessiert an allem, was in und um seinen Lebensraum geschieht.

Häufig findet man den Oktopus als Projektionsfläche menschlicher Ängste oder als Ungeheuer in Mythen und Abenteuergeschichten. Besonders geschätzt wird er als Vorspeise der mediterranen Küche, aber auch als Versuchstier. Zunehmend wird er seit einigen Jahren als Maskottchen und Orakel von Fußballfans oder als Symbol für Multitasking verkitscht.

In „Temple du présent“ wird dem Zuschauer die Begegnung mit einem Oktopus auf eine ganz andere Art und Weise ermöglicht. In einem Aquarium auf der Theaterbühne wird er zum Protagonisten einer Aufführung, dessen Dramaturgie und Kommunikationsvorgänge in weiten Teilen von seinem Verhalten bestimmt werden. Ausschlaggebend dabei ist seine Bereitschaft oder Verweigerung mit dem Menschen neben dem Aquarium in Interaktion zu treten. Von Kameras vergrößert und musikalisch von Stimmen und Kompositionen begleitet wird das Tier vor den Augen des Publikums, vom Objekt zum Subjekt der Beobachtung. Dabei stellt sein Blick den Menschen, dieses Tier, das seine Bedienungsanleitung verloren hat, ganz grundsätzlich infrage.

Der Oktopus auf der Bühne stammt von einem Fischmarkt in Südfrankreich und war für den Verzehr bestimmt. Nach den Aufführungen kehrt er in seinen ursprünglichen Lebensraum in ein Naturreservat in Südfrankreich zurück.

Besetzung

Konzept und Regie Stefan Kaegi
In Zusammenarbeit mit einem Oktopus sowie Judith Zagury und Nathalie Küttel (ShanjuLab)
Wissenschaftliche Begleitung Graziano Fiorito (Dept. of Biology and Marine Organisms, Stazione Zoologica Anton Dohrn, Naples)
DramaturgieKatja Hagedorn
Musik Stéphane Vecchione (in Zusammenarbeit mit Brice Catherin)
Technik und Ausstattung Théâtre Vidy-Lausanne
Licht Pierre Nicolas Moulin
Video Oliver Vulliamy
Produktion Anouk Luthier

Eine Produktion von Théâtre Vidy-Lausanne, ShanjuLab (Laboratoire de recherche théâtrale sur la présence animale), Gimel, République Éphémère, Genève, Théâtre Saint-Gervais, Genève.
In Koproduktion mit Berliner Festspiele, Rimini Apparat GbR, Centre Pompidou, Paris und Printemps des comédiens, Montpellier 2021