Konzert

Orchestre des Champs-Élysées, Collegium Vocale Gent

Philippe Herreweghe, Leitung
Fauré | Brahms | Strawinsky

Geistliche Musik von drei Komponisten, deren Werke selten zusammen erklingen, hat Philippe Herreweghe hier zusammengestellt. Strawinskys „Psalmensinfonie“ und Faurés „Requiem“ als großbesetzte Rahmenpunkte werden flankiert von Brahms' frühen Werk „Begräbnisgesang" für gemischten Chor und Blasinstrumente..

Glockenturm der im Reschensee versunkenen Ortschaft Graun, Italien

Glockenturm der im Reschensee versunkenen Ortschaft Graun, Italien

© Charles01, Drowned Village Curon Venosta with Graveyard in, CC BY-SA 3.0

Vergangene Termine

Abendprogramm Orchestre des Champs-Élysée 06.09.2021 PDF, 2,6 MB

Konzerte online
Livestream des Konzerts in der Digital Concert Hall,
verfügbar am 6. September 2021, 20:00
Aufzeichnung des Konzerts auf Musikfest Berlin on Demand,
verfügbar 7. September 2021, 16:00 – 8. September 2021, 16:00

Strawinskys Entscheidung, zum 50-jährigen Bestehen des Boston Symphony Orchestra ein vokalsymphonisches Werk um lateinische Psalmverse zu komponieren, irritierte 1930. Der Bonvivant der Sachlichkeit und die Religion – wie passte das zusammen? Auf alte biblische Dichtungen, poetische Übungen über die Transzendenz, bezogen sich russische Komponist*innen bis hin zu Schostakowitsch häufiger, mehr oder weniger offen. Mit der Wahl der Texte und der Art, wie er sie komponierte, steuerte Strawinsky eine Dimension jenseits der Religionen an: Die Psalmen stammen aus einer Zeit vor dem ersten Schisma der Schriftreligionen (der Lösung der Christen vom Judentum), in den Rahmenteilen nahm er auf musikalische Modelle aus der orthodoxen, im fugierten Mittelteil auf Traditionen in den Westkirchen Bezug.

Brahms komponierte dieses Chorwerk als 25-Jähriger, während seines Aufenthaltes in Detmold, wo er von 1857 bis 1859 nicht nur als Pianist und Klavierlehrer, sondern auch als Chorleiter und Dirigent wirkte. Während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit Alter Musik und ein Nachhall seiner Beschäftigung mit Bach ist noch zu hören.

Mit seinem Requiem schrieb Gabriel Fauré kein Werk des Schreckens, sondern der Hoffnung auf eine Transformation. Damit stellte er sich in eine Diskussion, an der auch Brahms mit seinem Requiem und Mahler mit seiner „Auferstehungssymphonie“ teilhatten. Die spirituellen Nervenpunkte gleichen denen in Strawinskys „Psalmensymphonie“: Klagen, Bitten, Gotteslob, Errettung.

In der kirchlichen Praxis wurden Requien nicht nur zum Begräbnis, sondern auch zum Gedenken zelebriert. So betrachtet, ist dieses Konzert ein Requiem für Strawinsky mit größeren Stücken als Rahmen und Brahms' frühen Chorwerk als Mitte. Brahms bezieht sich im „Begräbnisgesang“ auf die Tradition der Begräbnismusik und strich die Streicher aus der Partitur. Dennoch ist das Werk nicht ausschließlich an die kirchliche Praxis gebunden. So schreibt er an seinen Verleger: „Wir singen nicht bloß am Grab und nicht vom Grab, sondern zum Begräbnis und zum Andenken an das Begräbnis.“ 1856 verstarb Robert Schumann und das Chorwerk ist auch als ein Andenken an seinen Freund und Förderer zu verstehen.

Philippe Herreweghe, der geschichtskundige Künstler, stellt Strawinsky in Konstellationen, in denen er selten betrachtet wird.

Konzertprogramm

Gabriel Fauré (1845 – 1924)
Requiem op. 48 (Originalfassung von 1893)
für Sopran, Bariton, Chor und Orchester

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Begräbnisgesang op. 13 (1858)
für gemischten Chor und Blasinstrumente

Igor Strawinsky (1882 – 1971)
Psalmensinfonie (1930, rev. 1948)
für Chor und Orchester
dem Boston Symphony Orchestra gewidmet

Die Igor Strawinsky und Carlo Gesualdo gewidmeten Gastspielkonzerte am 31. August, 6., 8., 13. und 15. September werden gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und der Aventis Foundation.

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Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin