Tanz / Film

Anas

HaBer project e. V.
Berlin

„Anas“ erzählt eine Fluchtgeschichte. Die Idee zum Stück kam dem Team von HaBer project e. V., als Anas in einem Sommerferienprojekt seine Geschichte erzählte. Das 2020 veranstaltete Projekt „Around the World“ sollte die Teilnehmenden dazu anregen, sich mit Orten auseinanderzusetzen, die sie prägten oder die sie selbst besucht haben. Dabei zählte Anas einige Länder auf und bei näherem Kennenlernen teilte er mit dem Team und anderen Teilnehmenden seine Fluchtgeschichte.

Anas

Anas

© M.P Concept Marlon Torriente Pomares

Vergangene Termine

Aus seiner Erzählung wurde eine Szene für die Präsentation von „Around the World“ gestaltet. In dieser performt Anas seinen Weg von Syrien nach Deutschland schauspielerisch und tänzerisch für ein kleines Publikum. Das Team des HaBer project e. V. nahm sich vor, es nicht bei diesem Aufführungsmoment von „Around the World“ zu belassen. Die Erzählung von Anas sollte ein größeres Publikum erreichen, das, aufgrund des Lockdowns, nicht live eingeladen werden konnte. So entstand die Idee eines Kurzfilms. Anas schrieb seine Erzählung auf und verwandelte sie mit Hilfe des Poetry Slammers Sami El Poet in einen Poetry-Beitrag.

Das Ensemble von „Anas“ besteht aus neun Darstellenden. Die Tänzer*innenkennen sich teilweise aus der Berliner Tanzszene oder sind sich im Projekt „Around the World“ nähergekommen. Im Sommerferienprojekt hatte die Tänzer*innen viel Zeit damit verbracht, ihre Sprache in der tänzerischen Improvisation zu finden, was sie auch im Kurzfilm umsetzen. Das Ensemble bringt unterschiedlichste Stile und Tanzerfahrung mit. Einige Mitgliederhatten zum Zeitpunkt des Drehs wenige Monate, andere wiederrum Jahre lange Erfahrung im Tanz. Ob Hip-Hop, Contemporary, Krump, oder Cheerleading: Die Tänzer*innen von „Anas“ haben intensiv daran gearbeitet, eine gemeinsame Sprache in der Bewegung zu finden und damit auch Anas` Geschichte zu begleiten. Der gemeinsame Trainingsort, das Jugend- Kultur- und Werkzentrum in Neukölln, verbindet die Tänzer*innen heute noch. So entstand der Kurzfilm „Anas“. Erstellt von allen Mitwirkenden, sowie dem Videoproduzenten Marlon Torriente und der künstlerischen Leitung Fidan Sirin.

Mit
Silan Alagöz, Akram Allahham, Anas Allahham, Momodou Badji, María José Juana Ulloa Beteta, Mira la Maga, Anwen Sereina Ortiz, Emily Schira

Sami El-Ali Poetry Slam/Text
Fidan Sirin/ HaBer project e. V. Projektleitung
Marlon Torriente Pomares (M. P. Concept, HaBer project e. V.) Regie, Produktion, Drehbuch, Schnitt, Musik

Fidan Sirin ist in der Türkei geboren und mit ihrer Familie 1998 nach Deutschland geflüchtet. Sie nutzte bereits im Jugendalter den Tanz als Ausdrucksform, um sich von außen auferlegten Zuschreibungen als Frau oder Migrantin zu emanzipieren. Sie hat in der urbanen Tanzszene angefangen, zu tanzen und später ihren Schwerpunkt auf Improvisation und Tanztheater gelegt. Seit über sieben Jahren arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und leitet in Berlin Tanzprojekte für junge Berliner Laientänzer*innen.
Sie organisiert internationale Tanzbegegnungen und bringt aus unterschiedlichen Tanzszenen zusammen. Sie ist künstlerische Leitung und Vorstand des Vereins HaBer project e. V.

Zur Auswahl für die Jury Martina Kessel

Anas ist ein junger Mann, der seit 2015 in Deutschland lebt. In dem knapp siebenminütigen Film lernen wir ihn und seine Geschichte kennen. Der Krieg und die damit einhergehende Willkür zwangen ihn, seine Heimat Syrien zu verlassen. Die Flucht führte ihn über die Türkei via Schlauchboot nach Europa, ein lebensgefährliches Unterfangen. So erzählt es uns der Text, den er gemeinsam mit dem Poetry Slammer Sami El-Ali verfasst hat und der uns durch den gesamten Film begleitet. Der Tanz erzählt uns von seinen Begegnungen mit anderen Menschen. Diese sind mal vorsichtig, abcheckend, wahrnehmend, befremdend oder kooperativ. Die Filmszenen führen uns an verschiedene Orte Berlins und zeigen uns die rauen und auch die freundlichen Gesichter dieser Stadt und des Lebens in Deutschland. Der Film macht betroffen. Aber er macht auch deutlich, dass Anas kein Opfer ist, sondern ein junger Mensch voller Optimismus und Lebenswille. Selbstbewusst erhebt er seine Stimme und erzählt uns seine Geschichte. Unterstützt wird er dabei von sieben jungen Tänzer*innen, die dieser Geschichte den notwendigen Raum und die angemessene Bedeutung geben. Frieden habe er gefunden und mittlerweile fühle er sich auch ein wenig heimisch. So berichtet er uns am Ende des Films während er gemeinsam mit der Gruppe tanzt. Für dieses Gefühl braucht es Menschen, die einen wahr- und annehmen. Dass dieses Tanz-/Filmprojekt und alle Beteiligten dazu einen Teil beigetragen haben, steht außer Frage. Und so freue ich mich sehr, jede*n Einzelne*n dieser Gruppe beim Tanztreffen der Jugend kennenlernen zu können!

شكرا جزيل