Screening
Julia Stoschek Collection

Technology / Transformation: Wonder Woman

Dara Birnbaum
1978/79 / Video / Farbe / Ton

Von grellen Lichtblitzen und Drehungen begleitet, vollzieht sich die Verwandlung von Wonder Woman. In „Technology/Transformation: Wonder Woman“ (1978/79) bedient sich Dara Birnbaum Bilderwelten der Populärkultur, um immanente Ideologien offenzulegen und diese mit den eigenen Mitteln zu dekonstruieren.

Die Superheldin Wonder Woman der gleichnamigen Serie im Moment ihrer Verwandlung, mit Sternenbanner-Kostüm, wallender Fönfrisur und perfektem Make-up.

Dara Birnbaum, Technology/Transformation: Wonder Woman, 1978/79. Video, 5'45", Farbe, Ton. Videostill

Courtesy of the artist and Electronic Arts Intermix, New York. Leihgabe der JULIA STOSCHEK FOUNDATION, Berlin/Düsseldorf

  • 5 min 45 sec

In ihrer Arbeit „Technology/Transformation: Wonder Woman“ macht sich Dara Birnbaum Bilder aus der in den 1970er-Jahren populären amerikanischen Fernsehserie „Wonder Woman“ zu eigen und verlangsamt die „technologische Geschwindigkeit“ des Fernsehens, um den Betrachter*innen die Möglichkeit zur Befragung des Mediums zu bieten. Die Arbeit steht am Anfang von Birnbaums Auseinandersetzung mit der Verbreitung von Bildern in den Medien und den damit verknüpften Ideologien und Vorstellungen von Identität.

Die Superheldin Wonder Woman wurde von dem amerikanischen Psychologen William Marston als weibliches Gegenmodell zum muskelbepackten Superman entwickelt und sollte bereits im gleichnamigen Comic „die Welt mit der Macht der Liebe retten“. Ausgestattet mit knappem Sternenbanner-Kostüm, magischen Armbändern, einem Diadem in wallender Fönfrisur und perfektem Make-up, wurde „Wonder Woman“ in der Fernsehserie von der ehemaligen Miss World USA Lynda Carter verkörpert, die sich durch eine Drehung von der unauffälligen Sekretärin in die Superheldin verwandelte.

In ihrem Remix ausgewählter Fernsehbilder konzentriert sich Dara Birnbaum auf das Moment der Verwandlung, den symbolischen Gehalt des Lichtblitzes, der den Übergang der Protagonistin zur Superheldin signalisiert und von zahlreichen Drehungen flankiert wird. Die banale Reduktion der Verwandlung auf ein Lichtspiel und der geradezu rührende Ernst der Darstellung erscheinen heute wie Bestandteile einer dadaistischen Montagetechnik, fortgeschrieben mit den zeitgemäßen Mitteln der Videoaufzeichnung. Dabei hält sich der kritische Subtext mit dem parodistischen Effekt die Waage, wenn der manipulative Charakter der Fernsehfigur offensichtlich und deren Heldin selbst zur Marionette wird.