Kino
70 Jahre Berliner Festspiele

Sonezaki Shinju (Liebestod in Sonezaki)

Bunraku Theater Osaka
Farbe
Text: Chikamatsu Monzaemon
Komposition: Nozawa Matsunosuke
Schiller-Theater Berlin, 29.9.1999

Das klassische japanische Bunraku-Theater gibt es schon seit mehr als 300 Jahren und zählt heute als UNESCO-Kulturerbe. Auf Reisen begibt sich das Puppentheater jedoch äußerst selten. Eine Ausnahme stellte das Gastspiel des Bunraku Theater Osaka 1999 bei den Berliner Festspielen dar.

Eine weibliche japanische Puppenfigur, die ein traditionelles weißes Gewand trägt. Links hinter der Puppe ist der Kopf einer männlich gelesenen Person zu sehen. Der untere Bereich des Filmstills ist mit der Schrift „Bevor es hell ist, werden wir groß in den Zeitungen stehen.“ versehen.

Bunraku Theater Osaka, „Sonezaki Shinju. Liebestod in Sonezaki“, Berlin 1999. Film, Farbe, Ton. Filmstill

© RBB | Courtesy of the artists

  • 85 min
  • Japanisch mit deutschen Untertiteln

Bunraku ist eine formal anspruchsvolle Kunst, die sehr rituell abläuft – wenn der Vorhang aufgeht, tritt eine schwarz verhüllte Gestalt auf und kündet das Stück an, stellt den Rezitator und den Musiker vor, die beide rechts auf der Seite der Bühne Platz nehmen. Jede der auftretenden Puppen ist ein Kunstwerk für sich, knapp einen Meter hoch, aufwendig gestaltet und kostümiert, jede wird von drei Männern geführt, wobei zwei von ihnen schwarz verhüllt sind. Der Eine führt die Beine, der Andere den linken Arm und der Dritte den Kopf und die rechte Hand. Zusammen mit der ausdrucksstarken Vortragskunst des Rezitators und eines Lautenspielers, der sein dreisaitiges, mit Katzenfell gespanntes Instrument dazu anschlägt, wird im Bunraku aus diesem Puppenspiel eine künstlerische Einheit. Der Text ist eine Mischung aus Erzählung, Dialog und Lyrik. „Liebestod in Sonezaki”, das in Berlin gezeigt wurde, handelt von einem jungen Mann, der um sein Vermögen und seine unstandesgemäße Braut, eine junge Kurtisane, gebracht wird. Ein mehr oder weniger klassisches bürgerliches Drama, formal dargeboten in einer Detailgetreue und Feinfühligkeit, die zugleich lebensecht wie fremdartig erscheint, wenn die Puppen nicht nur ihre Gliedmaßen, sondern auch Augen und Mund bewegen, in zarten Gesten sich Tränen von den Wangen abwischen oder sich gegenseitig sanft berühren – Vorgänge, die im Theater den ersten Zuschauerreihen in besonderen Maßen vorbehalten sind, in der Aufnahme des SFB von 1999 aber niemandem mehr entgehen können.

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