Kino
70 Jahre Berliner Festspiele

HAPPENING x ZWEI

Allan Kaprow und Wolf Vostell,
Berliner Festwochen 1976
1976 / Farbe
Ein Film von Ilona Schrumpf über KAHV (Kaprow Activity Happening Vostell)

Im Rahmen der Berliner Festwochen 1976, veranstaltet durch den Neuen Berliner Kunstverein

Nach den „Aktionen der Avantgarde” 1973 und 1974 tun sich die Begründer des Happenings in Amerika und Europa, Allan Kaprow und Wolf Vostell, 1976 erneut zusammen und gestalten für die Berliner Festwochen zwei neue Aktionen. „Happening x Zwei” zeichnet die unterschiedlichen Herangehensweisen der Künstler nach und befragt auch die Teilnehmer*innen der Aktionen.

Das Gesicht einer weiblichen gelesenen Frau, dessen untere Gesichtshälfte von der Rückenansicht der männlich gelesenen, unbekleideten Person im Bildvordergrund verdeckt wird. Beide Personen stehen im Regen.

Tabea Blumenschein im Rahmen des Happenings „Regen“ von Wolf Vostell in: Ilona Schrumpf, „Happening x Zwei. KAHV (Kaprow Acitivity Happening Vostell)“, Berliner Festwochen 1976. Film, Farbe, Ton. Filmstill

© RBB | Courtesy of the artist© RBB | Allan Kaprow Estate | Courtesy Hauser & Wirth | The Wolf Vostell Estate

  • 7 min

„Wir sind zwei alte Happener und wir dachten uns, es könnte Spaß machen unsere lange Erfahrung mit dieser Form gemeinsam in Berlin darzustellen und unsere Freunde dazu einzuladen. Mitmachen ist beim Happening besser als darüber zu reden und zu lesen.” (Allan Kaprow)

Die Happening-Kunst war Mitte der 1970er-Jahre schon wieder aus den Seiten der Sensationspresse verschwunden und befand sich in einer Art inneren Revision. Allan Kaprow, der selbst den Namen „Happening” einst eingeführt hatte, nutzte nun den weniger aufrührerischen Begriff „Activity”. In „Frames of Mind” zeigt er anhand von in Gruppen ausgeführten Aufgaben unterschiedliche Wirkmechanismen sozialer Rollenausbildung, gesellschaftlicher Normenstrukturen und zwischenmenschlicher Verhaltensweisen. Wolf Vostell hingegen lässt in „Regen” im Alltäglichen das Symbolhafte der Kunst und Kunstwahrnehmung als ein psychoästhetisches Ereignis erscheinen, bei dem die Freiwilligen sich in einem liminalen Raum zwischen dem Schönen der Künste und dem Grauen der Weltgeschichte befinden. Der schöne Schein des Guten und die Güte des schönen Scheins und all die Schrecken, die dahinter verborgen liegen.

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