Kino
70 Jahre Berliner Festspiele

Fela Anikulapo Kuti and Africa 70

Konzert im Rahmen der Berliner Jazztage 1978
Farbe
Philharmonie, 4.11.1978

Das Konzert der von Fela Anikulapo Kuti und Tony Allen begründeten Afrobeat-Bigband “Africa 70” in der Berliner Philharmonie 1978 ist Höhepunkt und Endpunkt der Band, die bereits damals mit ihren künstlerisch wie politisch hochexplosiven Auftritten großes Aufsehen erregte.

Der Musiker Fela Kuti in einem gelben, gemusterten Hemd. Er blickt lächelnd nach rechts. Hinter dem Künstler sind die schattigen Konturen seiner Bandmitglieder zu erkennen.

Fela Anikulapo Kuti and Africa 70, Berliner Jazztage 1978. Film, 87'03", Farbe, Ton. Filmstill

© RBB

  • 87 min

Der Musiker und Produzent Quincy Joppes scheut keine Superlative in seiner einführenden Bühnenansprache: „Wir präsentieren Ihnen heute das Größte, was je aus Afrika kam: Fela und die Afrika 70 – ein Erlebnis echter afrikanischer Musik: Sie werden etwas sehr Ursprüngliches sehen, politisch, religiös und musikalisch.”

Für Fela Anikulapo Kuti, dem in Nigeria und Ghana aufgrund seines politischen Engagements für die Befreiungsbewegung ein Auftrittsverbot auferlegt wurde, war sein Auftritt bei den Berliner Jazztagen das letzte Konzert mit seiner mit Ausnahme-Schlagzeuger Tony Allen begründeten Afrobeat-Gruppe. Während des Konzerts verkündete er seine Kandidatur als nigerianischer Präsident und sämtliche Einnahmen aus der Europareise sollten schließlich für seinen Wahlkampf auch draufgegangen sein. Der Auftritt gilt als Höhepunkt der Bandgeschichte und als ihr am besten dokumentiertes Konzert mit einer Vielzahl an Kamerawinkeln, einer Formation von 20 Musiker*innen und 27 Tänzerinnen, die zu Ehren der Göttin Osun auf nackter Haut bemalt waren. Das Berliner Publikum saß dem völlig irritiert und regungslos gegenüber. Die Zeitungen überschlugen sich tags darauf in negativer Kritik, die weiteren Europakonzerte wurden abgesagt und das jähe Ende seiner Band war besiegelt. Seine Kandidatur mit dem neu gegründeten Movement of the People wurde schließlich gar nicht zur Wahl anerkannt. Er resignierte nicht und widmete sich weiter afrikanischen Themen, die an Landesgrenzen keineswegs Halt machten. Heute, 24 Jahre nach seinem Tod, ist er in Westafrika ein Volksheld und auch in Europa mittlerweile als einer der wichtigen Komponisten des 20. Jahrhunderts anerkannt.

Besetzung

Gesang, Tenorsaxophon, Altsaxophon, Keyboard Fela Anikulapo Kuti
Trompete Tunde Williams
Trompete Nwokoma Ikem
Basssaxophon Lekan Animashaun
Gitarre Leke Benson
Bass Nweke Atifoh
Tenorgitarre Oghene Kologbo
Konga Oladeinde Koffi
Konga Addo Nettey
Konga Shina Abiodun
Perkussion Babajinde Olaleye
Perkussion Ayoola Abayomi
Schlagzeug Tony Allen Alabi
Gesang Tejumade Anikulapo Kuti
Gesang Kewe Anikulapo Kuti
Gesang Runke Anikulapo Kuti
Gesang Alake Anikulapo Kuti
Gesang Emarua Gheru Anikulapo Kuti
Gesang Fehintola Anikulapo Kuti

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