Screening
Julia Stoschek Collection

Ocean II Ocean

Cyprien Gaillard
2019 / HD-Video / Farbe / Ton

Mit seiner filmischen Arbeit „Ocean II Ocean“ (2019) schlägt Cyprien Gaillard eine Brücke zwischen geologischer Vorzeit und der urbanen Gegenwart unserer Tage. Das Zusammenspiel bildstarker Aufnahmen, fließender Bewegungen und atmosphärischer Sounds entfaltet eine suggestive Wirkung.

Vogelperspektive auf eine dunkelblaue Meeresoberfläche. Das Wasser bildet einen Strudel.

Cyprien Gaillard, Ocean II Ocean, 2019. HD-Video, 10'56", Farbe, Ton. Videostill

© Cyprien Gaillard Courtesy of the artist and Sprüth Magers. Leihgabe der JULIA STOSCHEK FOUNDATION, Berlin/Düsseldorf

  • 10 min 56 sec

Cyprien Gaillards Videoarbeit „Ocean II Ocean“ ist in zwei Sequenzen geteilt. Im ersten Teil sind es Fossilien, die in die Wände von Metrostationen in Russland und der ehemaligen Sowjetunion eingelassen sind, die in den Fokus der Kamera rücken. Diese Zeugnisse erzählen von der prähistorischen Geschichte terrestrischer Schauplätze. Aus vielen verschiedenen Epochen stammend, existieren sie an diesen politisch aufgeladenen Orten gleichwertig nebeneinander.

Der zweite Filmabschnitt folgt ausrangierten MTA U-Bahnwaggons auf ihrem Weg hinaus auf den Atlantik, um sie dort als Substrat für zukünftige Riffe in die Wassermengen zu versenken. Die Kamera folgt unter der Wasseroberfläche Meereslebewesen, die sich zwischen den Stahlwaggons bewegen. Die frenetische Energie des Soundtracks des Films, den Gaillard aus Samples von Aufnahmen eines Steel-Pan-Orchesters produziert hat, verbindet diese stählernen Kadaver mit dem perkussiven Klang desselben Materials. Die Steel Pans, die ursprünglich aus Trinidad und Tobago stammen, werden traditionell aus ausrangierten Ölfässern hergestellt, deren ursprünglicher Inhalt sowohl mit der Gewinnung fossiler Brennstoffe als auch mit der Verschmutzung sowie dem ökologischen Zusammenbruch der Unterwasserwelt in Verbindung steht.

„Ocean II Ocean“ beleuchtet die wiederkehrenden Gezeitenbewegungen der Ozeane und die Wechselwirkungen der Erde mit der menschlichen Geschichte. So hebt die Arbeit die Trennung zwischen Mensch und Natur auf und eröffnet den Blick, über die Grenzen menschlicher Zeitalter in die Tiefen des geologischen Bewusstseins, in eine Vergangenheit, die weit über die menschliche Existenz hinausreicht, und zugleich vermuten lässt, ob die Zukunft dies ebenfalls tun wird.