Diskurs / Geführte Tour

Spider Walks

Arachnophilia und Studio Tomás Saraceno

Der in Berlin wohnhafte, argentinische Künstler Tomás Saraceno, dessen Praxis schwebende Skulpturen, internationale Kollaborationen sowie interaktive Installationen umfasst, präsentiert Formen des Zusammenlebens unterschiedlicher Spezies und eine Naturwahrnehmung, die im Zeitalter des Kapitalozäns ins Abseits geraten sind. Die „Ask the Spider/Web“ Website und die von Arachnologen begleiteten „Spider Walks“ durch das ICC laden ein, das Blickfeld zu erweitern, um sich auf die Interspezies-Ökologien einzustimmen, die wir heute bewohnen.

Nahaufnahme eines Spinnwebens an einem grünen Metallgerüst, der mit Rost übersehen ist.

Tomás Saraceno. Spinnweben fotografiert als Teil der spider/web Tour im Rahmen vom Spider/Web Pavilion 7: Oracle Readings, Weaving Arachnomancy, Synanthropic Futures: At-ten(t)sion to invertebrate rights!, 2019. Auf der 58. Kunstausstellung - La Biennale di Venezia, May You Live In Interesting Times, kuratiert von Ralph Rugoff.

Foto: Studio Tomás Saraceno. Courtesy Spider/Webs, the artist and Arachnophilia

  • 45 Min

Mit dem kollektiven Ruf nach Umweltgerechtigkeit, die ein artübergreifendes Zusammenleben ermöglicht, eröffnen Tomás Saracenos künstlerische Kollaborationen neue Beziehungen zwischen terrestrischen, atmosphärischen und kosmischen Reichen.

Saracenos tiefgehendes Interesse an Spinnen und ihren Spinnweben reicht ein Jahrzehnt zurück und führte zur Gründung von Arachnophilia, einer interdisziplinären und forschungsorientierten Initiative. Arachnophilia schlägt neue, spekulative und technologische Wege ein, um die affektiven Beziehungen zwischen Spinnen und Menschen, mitunter mit digitalen Werkzeugen, zu erschließen und jene speziesübergreifende Verwandtschaft in der Techno- und Biosphäre zu kultivieren.

Die von einem Arachnologen geführten Spinnentouren durch das stillgelegte Gebäude des ICC sollen Besucher*innen neben kontextuellen Informationen zu der Spezies auch Werkzeuge zur Verfügung stellen, um neue Formen der Wahrnehmung von arachniden Architekturen zu fördern. Zugleich eröffnen sie die Möglichkeit, sich auf artübergreifende Ökologien, so wie sie auch in dieser architektonischen Ikone zu beobachten sind, einzustimmen.

Diese Führungen werden von der Einweihung von „Ask the Spider/Web" begleitet, einer von den Berliner Festspielen koproduzierten Website, die einen Dialog mit unseren Spinnenverwandten initiiert, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Technik, Mensch und biologischer Vielfalt zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit dem Nggàm-Spinnenwahrsager Bollo Pierre Tadios und dem Arachnophilia-Freund David Zeitlyn sinniert „Ask the Spider/Web" über die Möglichkeiten einer reziproken, interkulturellen und artübergreifenden Beziehung.

Die im Rahmen von „Down To Earth" entstandene Arbeit „Intervertebrate Rights" (2020) gibt Einblick in die Forschung von Arachnophilia und Studio Tomás Saraceno.