Konzert / Video
Jazzfest Berlin – São Paulo

ICP Orchestra // Code Girl // Negro Leo // The Killing Popes

Das Amsterdamer ICP Orchestra ist seit Jahrzehnten eine Instanz für improvisierte Musik in Europa. Ihr Konzert wird von einer besonderen Duo-Performance von Han Bennink und Pat Thomas eröffnet. Außerdem präsentiert Mary Halvorson das aktuelle Album ihres songbasierten Ensembles Code Girl und Drummer Oli Steidle sein Projekt The Killing Popes, das zwischen Post-Bop, Free Jazz, Noise und Ambient changiert. Dazwischen gibt es aus São Paulo einen Videobeitrag von Negro Leo.

Han Bennink / Mary Halvorson / Negro Leo / The Killing Popes

Han Bennink // Mary Halvorson // Negro Leo // The Killing Popes

© Han Bennink / Nadin Deventer / Rafael Meliga / Rüdiger Kusserow

Konzerte online
Sehen Sie dieses Konzert live im Festivalstream oder als Aufzeichnung auf ARTE Concert und Jazzfest Berlin on Demand.

Livekonzert in Berlin / ca. 25 min

Pat Thomas & Han Bennink

Pat Thomas Klavier
Han Bennink Schlagzeug

Im Auftrag von Berliner Festspiele / Jazzfest Berlin

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Livekonzert in Berlin / ca. 50 min

ICP Orchestra: „Komen & Gaan“

Das ehrwürdige Amsterdamer Instant Composers Pool Orchestra hatte einige große Verluste zu verkraften – insbesondere den Tod des Mitbegründers und Pianisten Misha Mengelberg im Jahr 2017. Dennoch hat es sich immer wieder neu ausgerichtet und auf unbekanntem Terrain improvisiert. Vergangenes Jahr veröffentlichte die Gruppe in abgewandelter Besetzung das beeindruckende Album „Komen & Gaan“, eine originelle Antwort auf Corona-bedingte Einschränkungen – mit einem Line-up, das ohne die außerhalb der Niederlande lebenden Mitglieder auskommen musste, sich trotzdem geschmeidig der Situation anpasste und zudem von zwei Gästen unterstützt wurde: dem Gitarristen Terrie Ex und dem Bassklarinettisten Joris Roelofs. Standards und Gruppenimprovisationen gehen dabei nahtlos zusammen, Jazzgeschichte wird mit einer Mischung aus Respekt und Unbekümmertheit gleichermaßen gefeiert wie neu geschrieben. Bis heute treibt die Schlagzeuglegende Han Bennink die Gruppe an, die er einst mit Mengelberg und dem Klarinettisten und Saxofonisten Willem Breuker gründete. Das Ensemble funktioniert aber auch, weil die übrigen Mitglieder Benninks Lust am Spagat zwischen Unfug und Traditionsbewusstsein teilen. Und in der Wiedervereinigung mit Ex und Roelofs werden Bennink, die Violinistin Mary Oliver, der Posaunist Wolter Wierbos, die Klarinettisten und Saxophonisten Michael Moore und Tobias Delius, der Bassist Ernst Glerum und Trompeter Thomas Heberer auf jeden Fall dafür sorgen, dass es ein erinnerungswürdiger Abend wird. Das Programm beginnt mit einer besonderen Duo-Performance, bei der Bennink auf Pat Thomas trifft, den großartigen Pianisten der Band أحمد [Ahmed].

Mary Oliver Violine, Viola
Michael Moore Klarinette, Altsaxofon
Tobias Delius Klarinette, Tenorsaxofon
Joris Roelofs Bassklarinette
Thomas Heberer Trompete
Wolter Wierbos Posaune
Terrie Ex Gitarre
Guus Janssen Klavier
Ernst Glerum Bass
Han Bennink Schlagzeug

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Livekonzert in Berlin / ca. 50 min

Mary Halvorson’s Code Girl: „Artlessly Falling“

Mary Halvorson, in den letzten Jahren regelmäßig zu Gast beim Jazzfest Berlin, präsentiert ihr ausdrucksstarkes Projekt Code Girl, bei dem die Songform im Fokus steht. Vergangenes Jahr stellte das Sextett sein grandioses zweites Album „Artlessly Falling“ vor – gerade im Hinblick auf den kompositorischen Umgang mit Sänger*innen ein riesiger Sprung im Schaffen der Gitarristin. Unter anderem wirkte der legendäre Robert Wyatt an drei Stücken mit. Doch insbesondere das Kernsextett präsentiert sich ausgeklügelter und melodieaffiner denn je. Halverson schafft strukturelle Vielfalt, indem sie eine Vielzahl poetischer Formen als kompositorischen Rahmen nutzt. Die von Leadsängerin Amirtha Kidambi intonierten Melodien klingen so organisch wie elegant. Die Rhythmusgruppe, bestehend aus dem Bassisten Michael Formanek und Schlagzeuger Tomas Fujiwara, die beide auch im Trio Thumbscrew mit Halvorson zusammenarbeiten, schafft ein lebhaftes Fundament für die Sänger*innen und Instrumentalist*innen, zu denen neben Brian Settles, der beim Live-Konzert in Berlin anstelle von María Grand Tenorsaxofon spielt, auch der großartige Trompeter Adam O’Farrill gehört – Enkel des großen kubanischen Bandleaders Chico.

Mary Halvorson Gitarre
Amirtha Kidambi Gesang
Adam O'Farrill Trompete
Brian Settles Tenorsaxofon
Michael Formanek Bass
Tomas Fujiwara Schlagzeug

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Videoarbeit aus São Paulo / ca. 10 min

Negro Leo: „Schwarzfahren“

Nur wenige Musiker*innen im heutigen Brasilien haben die Diversität des stilistischen Spektrums der Tropicália-Ära so verinnerlicht wie Leonardo Campelo Gonçalves, besser bekannt als Negro Leo. Auf seine ganz eigene Weise bekennt er sich zu den Prinzipien der autonomen brasilianischen Kulturproduktion, die der Dichter Oswald de Andrade 1928 in seinem Essay „Manifesto Antropófago“ dargelegt hat, und interpretiert sie durch eine Post-Tropicália-Linse. In seinem Werk kollidieren Elektronik und akustische Instrumente, während er die gesamte musikalische Landschaft durchkreuzt, stets zum Experimentieren bereit – ob er nun Sturzbäche von Lärm loslässt oder eine von Dissonanzen durchzogene Bossa Nova singt. Zehn Alben hat der überaus produktive Musiker in den letzten zehn Jahren veröffentlicht, von denen jedes mit den Erwartungen bricht. Dabei ist der einzige Weg, dem er folgt, der, den er jedes Mal beschreitet, wenn er die Bühne betritt. Seine Musik ist von improvisatorischem Denken bestimmt. So weicht Negro Leo häufig vom geschriebenen Material ab, indem er es impulsiv unterbricht und spontan Flicken aus freien musikalischen Assoziationen einwebt. Die neue Arbeit für das Jazzfest Berlin 2021 wurde von seiner nicht minder talentierten Frau, der Sängerin Ava Rocha, gefilmt.

Negro Leo Komposition, Klavier, Gesang, Programmierung, Turntable, Regie
Ava Rocha Regie, Kamera, Schnitt
Sergio Machado Schlagzeug
Pedro Dantas E-Bass
Lucas Pires Grafikdesign
Renato Godoy Mixing, Mastering
Angela Novaes (QTV) Produktionsleitung
Mariana Mansur (QTV) Produktionsleitung

Im Auftrag von Berliner Festspiele / Jazzfest Berlin in Zusammenarbeit mit Manoela Wright & Juliano Gentile

Dieses Konzert ist Teil von Jazzfest Berlin – São Paulo
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Livekonzert in Berlin / ca. 50 min

The Killing Popes featuring Jelena Kuljić & Natalie Sandtorv: „Ego Kills“

Der international gefeierte Schlagzeuger und Komponist Oli Steidle ist allgegenwärtig in Berlins experimenteller Musikszene, in der er sich mühelos zwischen Jazz, Noise und Elektronik bewegt. 2013 rief er The Killing Popes ins Leben. Seither erwies sich das wandelbare Projekt als ultimative Fokussierung seiner vielfältigen Interessen. In Zusammenarbeit unter anderem mit dem britischen Keyboarder und Produzenten Dan Nicholls veröffentlichte Steidle unlängst das zweite Killing Popes-Album, das Post-Bop und Fusion durch das Prisma elektronischer Musik in ihre Bestandteile zerlegt. Clubbige Grooves werden durch Philipp Groppers schneidende Saxofoneinlagen, das vielschichtige Timbre von Frank Möbus’ E-Gitarre und das nervöse Spiel von Bassist Phil Donkin zerfasert und mit gesampelten Elementen neu aufeinander geschichtet. Steidle und Nicholls erweisen sich als kreative Remixer ihrer eigenen Tracks, indem sie sich rhythmisch immer neu kalibrieren. Zusätzlich bereichert wird ihre Performance durch die Stimmen von Jelena Kuljić und Natalie Sandtorv, beides herausragende Jazz-Sängerinnen, die dem Abend mit sinnlichem Gesang und markanten Spoken-Word-Einlagen immer wieder eine neue Richtung geben.

Oliver Steidle Schlagzeug, Komposition
Dan Nicholls Tasteninstrumente, Komposition
Frank Möbus Gitarre
Philipp Gropper Saxofon
Phil Donkin Bass
Jelena Kuljić Gesang
Natalie Sandtorv Gesang