Lesung und Gespräch

Nichts heilt

Mit Johanna Hedva und Clare Molloy

Der Begriff „Care“ (Fürsorge) entwickelt sich mehr und mehr zu einem sloganhaften Tugendbeweis. Doch im institutionellen Kontext steht der Begriff bestenfalls für Bevormundung, wenn nicht gar für Gewalt. In Johanna Hedvas neuer Arbeit wendet sich die*der Autor*in, Künstler*in und Musiker*in ab von verheißungsvollen Vorstellungen von Fürsorge und Heilung.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
  • In englischer Sprache

Erschöpft und enttäuscht von der Zusammenarbeit mit Institutionen entdeckte Hedva, wie befreiend es ist, sich um Institutionen „nicht mehr zu kümmern“. Bei Hedva wird die Verweigerung zum radikalen Engagement: Die Erschöpfung wird ontologisch, Nihilismus und Pessimismus werden zu produktiven Zuständen. Hedva entwickelt eine Position, die das Gelingen jeglicher Aktivität an ihrem Scheitern misst. In einer neuen Werkgruppe untersucht Hedva die scheinbar notwendige Beziehung zwischen Heilung und Zeit. Das Projekt wirft eine Reihe von Fragen auf: Bietet das Sprichwort „Die Zeit heilt alle Wunden“ Trost, wenn es weder Zeit noch Heilung gibt? Was hat es auf sich mit einer tiefen, poetischen, verwunschenen Zeit, die qualitativ und zyklisch ist? Was, wenn die Uhr nie richtig geht?

Johanna Hedva ist ein*e koreanisch-amerikanische*r Autor*in, Künstler*in und Musiker*in und wuchs in Los Angeles bei einer Hexenfamilie auf. Hedva lebt derzeit in Los Angeles und Berlin. Hedva ist Autor*in von Minerva the Miscarriage of the Brain (Sming Sming/Wolfman, 2020), einer Sammlung von Gedichten, Performances und Essays, sowie des Romans On Hell (Sator/Two Dollar Radio, 2018). 2022 werden Hedvas Arbeiten im Rahmen einer Gruppenausstellung zu den Themen Fürsorge, Reparatur und Heilung im Gropius Bau gezeigt.

Clare Molloy ist Assistenzkuratorin im Gropius Bau. Zusammen mit Stephanie Rosenthal kuratierte sie Ausstellungen wie Zheng Bo: Wanwu Council 萬物社 (2021). Außerdem ist sie Co-Kuratorin einer Gruppenausstellung zum Thema Fürsorge, Reparatur, die 2022 im Gropius Bau gezeigt wird.