Vortrag und Gespräch

Robert Koch und das Erbe der deutschen kolonialen Wissenschaft in Afrika

Mit Edna Bonhomme und Magnus Elias Rosengarten

Die „Schlafkrankheit“ verbreitete sich in Afrika zur Wende des 20. Jahrhunderts und bedrohte die Entwicklung kolonialer Projekte. Diese waren auf die körperliche Kraft der afrikanischen Arbeitenden angewiesen. In diesem Vortrag untersucht Edna Bonhomme, wie Robert Koch eine vermeintliche Behandlung entwickelte, die jedoch Schmerzen und Tod verursachte.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
  • In englischer Sprache, EN live ÜT

Dieser Vortrag befasst sich mit der „Schlafkrankheit“ und dem Erbe Robert Kochs. Die Schlafkrankheit wird durch mikroskopische Parasiten verursacht, die von der Tsetsefliege übertragen werden. Sie verbreitete sich zur Wende des 20. Jahrhunderts in ganz Afrika und schlug Alarm bei den europäischen Kolonialist*innen. Sie befürchteten, dass die Verbreitung der Schlafkrankheit die Entwicklung der kolonialen Projekte verlangsamen könnte. Robert Koch war ein renommierter deutscher Wissenschaftler, nach dem Straßen in ganz Deutschland benannt wurden. 1906 reiste er nach Ostafrika, um ein Heilmittel zu entwickeln. Dort richtete er ein „Forschungslager“ für erkrankte Ostafrikaner*innen ein. Die Patient*innen galten als gefährlich und wurden oft brutal gefesselt. Robert Koch gab ihnen Atoxyl, das Arsen enthielt. Dieses Mittel führte zu Schmerzen, Blindheit und sogar zum Tod. Er behandelte in seinem Bugula Forschungslager für Schlafkrankheit täglich hunderte von Menschen mit Atoxyl und setzte damit den Standard für die Bekämpfung der Krankheit in den britischen und deutschen afrikanischen Kolonien.

Edna Bonhomme ist Wissenschaftshistoriker*in, interdisziplinäre Künstler*in und Autor*in. Bonhomme promovierte in Wissenschaftsgeschichte an der Princeton University. Bonhommes Dissertation Plague Bodies and Spaces untersucht den kommerziellen und geopolitischen Verlauf von Epidemien in Nordafrika. Bonhomme hat unter anderem für Al Jazeera, Esquire und The Guardian geschrieben.

Magnus Elias Rosengarten (Moderation) ist Schriftsteller, Künstler und Ko-Kurator von Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung. Er hat für ContemporaryAnd Magazine (C&), Artforum und die Berlin Biennale geschrieben und seine Arbeiten im Kraine Theatre, New York City (2016) und im California African American Museum, Los Angeles (2018) präsentiert.