Gespräch

Leben und Denken wie Stachelschweine?

Mit Marcus Coelen, Jamieson Webster und Robert Maharajh

In diesem Gespräch wird Sigmund Freuds Bild von der „Gesellschaft der Stachelschweine“ zu einem Beispiel für eine fürsorgliche und sinnvolle Form des Zusammenkommens. Im Mittelpunkt stehen Arbeit, medizinische Versorgung und psychoanalytische Theorie und Praxis in Zeiten der COVID-19-Pandemie.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung
  • In englischer Sprache, EN live ÜT

Das Bild der „Gesellschaft der Stachelschweine“ wurde zuerst von Arthur Schopenhauer und dann von Sigmund Freud verwendet. Es sagt aus dass sich Menschen gemeinsam vor der Kälte schützen und dabei gegenseitig mit ihren Stacheln verletzen. Doch wenn sie fliehen, frieren sie und rennen wieder zurück. Ein sich wiederholender Rhythmus von Liebe und Hass wird etabliert, der auf „Bedürfnissen“ (Wärme) und „Traumata“ durch äußere Umstände (Menschen und ihre Stacheln) basiert. Freud erkannte, dass die Bilder, die er zur Veranschaulichung der Psychoanalyse verwendete, nicht ausreichten. Darunter fällt auch das Bild des Stachelschweins, da es die Komplexität unserer „Liebe-Hass“-Beziehungen nicht fassen kann. Bevor wir wissen, wie wir zusammenkommen können, müssen wir verstehen, was uns trennt und wie wir gewaltsame Trennungen und leidenschaftliche Abneigungen ertragen können. Jamieson Webster und Marcus Coelen sprechen über Erfahrungen, die sie beim Arbeiten inmitten der COVID-19-Pandemie gemacht haben, sowie über medizinische Versorgung und psychoanalytische Theorie und Praxis. Sie denken dabei weit über Stachelschweine hinaus.

Jamieson Webster ist niedergelassene Psychoanalytikerin in New York. Sie ist die Autorin von Conversion Disorder: Listening to the Body in Psychoanalysis (Columbia, 2018) und The Life and Death of Psychoanalysis (Routledge, 2011). Sie schreibt regelmäßig für The New York Review of Books und unterrichtet an der New School for Social Research.

Marcus Coelen ist Psychoanalytiker in Berlin und New York sowie Professor an der Columbia University in New York und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Mitherausgeber der Reihe Neue Subjektile (Turia + Kant) und hat über Jacques Lacan, Sigmund Freud und Clarice Lispector publiziert.

Robert Maharajh (Moderation) ist Editor at Large im Gropius Bau. Er war Mitbegründer und Kurator der von Künstler*innen geführten Ost-Londoner Galerie T12. Er war Redaktionsleiter für Not Evenly Distributed, einem Onlineprojekt, das sich mit den Themen der 20. Biennale von Sydney beschäftigt.