Vortrag und Gespräch

„I Couldn’t Care More“. Care-Full kulturelle Praxis und die Zukunft der Institution

Mit iLiana Fokianaki und Stephanie Rosenthal

Dieser Vortrag geht der Frage nach, warum sich die Kunstwelt in den letzten Jahren mit Konzepten der Fürsorge befasst hat. Die Kuratorin iLiana Fokianaki wirft einen genaueren Blick auf die verschiedenen Konzepte und die Geschichte des Begriffs Fürsorge.

Ámà: 4 Tage zu Fürsorge, Reparatur und Heilung

Der Rückgang der Fürsorge in allen Bereichen des menschlichen Lebens ist eine der bedeutendsten Auswirkungen der (internationalen) Sparpolitiken. Diese trat während der weltweiten COVID-19-Pandemie noch deutlicher zutage. In den letzten Jahrzehnten hat der Neoliberalismus aus der individualistischen Vorstellung von Fürsorge durch eine Industrie mit Milliardeneinnahmen Kapital geschlagen. Diese Fürsorge wird weithin als „Selbstfürsorge“ beworben. Die zeitgenössischen Subjekte der sogenannten „entwickelten“ Welt sind mit der Fürsorge für ihre überlasteten Körper betraut. Dies tun sie, indem sie sich „anpassen“ und für sich selbst sorgen. Doch sie interessieren sich immer weniger für das Wohlergehen von Körpern, die außerhalb des sozialen Umfeldes liegen. Das heißt, ihrer Familie, ihrer Klasse, ihres Arbeitskontexts, ihrer Gemeinschaft, ihrer Stadt oder ihres Landes. Die Fürsorge ist ebenfalls ein Thema, mit dem sich die Kunstwelt beschäftigt. Die globale Pandemie hat es noch dringlicher gemacht. Doch ist es ein echtes Anliegen, das zu einer Veränderung der Arbeitsweisen in unseren Institutionen und Arbeitsbeziehungen führen wird? Wie kann Fürsorge – wenn sie care-full [fürsorglich und mit Bedacht] untersucht wird – verändernde Antworten auf die verschiedenen Probleme geben, mit denen Kunstinstitutionen konfrontiert sind?

iLiana Fokianaki ist Kuratorin, Theoretikerin in Athen und Rotterdam. Sie ist Leiterin des State of Concept in Athen und der Forschungsplattform The Bureau of Care. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Bildung von Macht und wie sich diese unter dem Einfluss von Geopolitik, Identität und kultureller und anthropologischer Geschichte manifestiert.

Stephanie Rosenthal (Moderatorin) ist Direktorin des Gropius Bau. Hier hat sie international beachtete Ausstellungen kuratiert, wie Wu Tsang: There is no nonviolent way to look at somebody (2019), Garden of Earthly Delights (2019) und Otobong Nkanga: There’s No Such Thing as Solid Ground (2020).