Konzert & binauraler Audio-Livestream
Éliane Radigue

Éliane Radigue: The Electronic Works 5

Adnos II (1980)

In ihrer „Adnos“-Trilogie formt die Komponistin eine sich kontinuierlich transformierende Klangtextur, inspiriert von der Idee des sich bewegenden Wassers. In der Klangregie François J. Bonnets findet „Adnos II“ (1979) Einzug in die Sternenkuppel des Zeiss-Großplanetariums.

Box aus Pappe zur Aufbewahrung von Tonbändern

„Éliane Radigue – Échos“. Ein Film von Éleonore Huisse und François Bonnet, F 2021, Film Still

© Éleonore Huisse, François Bonnet

Vergangene Termine

MaerzMusik feiert den 90. Geburtstag der französischen Musikpionierin Éliane Radigue mit der erstmaligen Live-Präsentation ihres gesamten elektronischen Musikschaffens. Eine Reihe von siebzehn Konzerten unter der Klangregie von François Bonnet, alias Kassel Jaeger, erstreckt sich über das gesamte Festival. In der einzigartigen akusmatischen Umgebung des Zeiss-Großplanetariums versucht diese Hommage die bezaubernde Tiefe von Radigues Musik für Lautsprecher, die zwischen 1970 und 2000 entstanden ist, vollständig zu erschließen.

„Éliane Radigue wurde am 24. Januar 1932 in Paris geboren, wo sie bis heute lebt und arbeitet. Durch eine umsichtige Klavierlehrerin erlebte sie in ihrer Kindheit in Paris eine geheimnisvolle Initiation in die Musik. Später kommen die Harfe, das Singen und die Komposition hinzu. Aber erst durch den Kontakt mit der ‚musique concrète‘, an der Seite von Pierre Schaeffer und später Pierre Henry, findet die Musik von Radigue ihren eigenen authentischen Weg.
Über einen Zeitraum von über 50 Jahren erstrecken sich drei verschiedene Phasen in ihrem Schaffen. Jede von ihnen markiert einen Bruch und ist zugleich inspiriert durch die Erkundung und Erforschung von Schwellen, von Räumen, die sich in den Intervallen auftun, und vom Dialog zwischen Hörerfahrung und innerer Erfahrung, persönlicher Geschichte und sinnlicher Erinnerung. Die erste Phase (1968–1971) betrifft die Arbeit mit Feedback und ‚Re-Injektionen‘ – eine embryonale Phase, die bereits Radigues äußerste Sorgfalt und Arbeit mit Schwellen und bedrohten Equilibrien erkennen lässt. Die zweite, reife Phase, die sich über dreißig Jahre (1971–2001) erstreckt, ist von der fruchtbaren Produktion elektronischer Kompositionen geprägt, die ihre Musik unauslöschlich mit den einzigartigen Beats des ARP 2500 Synthesizers verbindet. In dieser Phase beginnt die Entwicklung langer Formen mit subtilen Variationen, die zwischen der von der Musik getragenen Geschichte und der für ihre Entfaltung notwendigen Zeitspanne aufblühen und mitschwingen. Die dritte Phase dauert bis heute an und umfasst die akustischen Werke, die Éliane Radigue in enger Zusammenarbeit mit Musiker-Kompliz*innen unterschiedlichster künstlerischer Horizonte kreiert. Diese bringen eine zusätzliche relationale Dimension in eine Musik ein, die sich bis dahin im Alleingang entwickelt hatte. Im Laufe ihres Lebens hat Éliane Radigue ein aufrichtiges, anspruchsvolles und inspirierendes Werk entwickelt, das heute eine ganz neue Generation von Musiker*innen beeinflusst.“ (François Bonnet)

„Von Adage zu Adynamie, für alle Ados und Adnos, dieses Addendum:
Adage: Langsame Übungen, um das Gleichgewicht der Tänzer und die Form ihrer Bewegung zu verbessern. Erster Teil eines Pas de deux.
Adné: Ein Teil, der mit einem anderen verbunden oder verschweißt ist und so aussieht, als gehöre er dazu.
Ados: Eine Erdbank, um die Pflanzungen vor dem Nordwind zu schützen und sie direkter den Sonnenstrahlen auszusetzen.
Addenda: Das, was zu etwas hinzugefügt wird, um es zu vervollständigen.
Adynamie: Völliger Mangel an körperlicher Kraft, der mit einer schweren Krankheit einhergeht.
Adnos: Das Verrücken von Steinen in einem Bachbett wirkt sich nicht auf den Wasserlauf aus, sondern verändert die fluide Form.
So verwandelt eine stark präsente Klangenergie den Verlauf der fließenden Bereiche der Resonanz und erzeugt die sich entwickelnde Klangaktivität. Wie der Zeiger der Zeit, markiert sie den Mechanismus der Zahnräder einer offenen Uhr, der in ihr Uhrwerk integriert ist. In der vom Klangverlauf gebildeten Muschel filtert das Ohr, wählt aus und bevorzugt, wie es ein Blick auf das Glitzern des Wassers tun würde. Das Hören allein ist gefordert, wie ein abwesender und doppelter Blick, der gleichzeitig auf ein äußerlich angebotenes Bild gerichtet ist, dessen Widerschein in der Reflexion im inneren Universum lebt.“ (Éliane Radigue)

Programm

Éliane Radigue
Adnos II (1980)
Musik für Lautsprecher / ARP 2500 Synthesizer auf Tonband, 72 min 44 sec

Produziert im Studio von Éliane Radigue in Paris im Jahr 1980.
Uraufführung am 22. November 1980 im Mills College in Oakland.

Besetzung

François J. Bonnet Klangregie