Konzert

Rotterdams Philharmonisch Orkest

Lahav Shani, Leitung
Ligeti | Pijper | Mahler

Eine Orgel, drei Klaviere, acht Hörner. Willem Pijpers Riesenbesetzung in seiner Zweiten Symphonie ließ den damaligen Konzertbetrieb vor einer Aufführung zurückschrecken. Umso aufregender ist es, diese Wiederentdeckung aus dem Repertoire niederländischer Symphonik in Berlin nun erleben zu dürfen, gespielt vom Rotterdams Philharmonisch Orkest unter Lahav Shani, kombiniert mit Werken von Gustav Mahler und György Ligeti.

Willem Pijper im Mantel mit zwei Hunden an der Leine

Willem Pijper mit Bulldogge Sue und Pudel Apie zu Besuch bei Freunden, 1940

© Netherlands Music Institute The Hague

Einführung 19:10

Willem Pijper war einer der bedeutendsten niederländischen Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – ein innovativer Geist, der zu einem führenden Vertreter der Polytonalität avancierte und hörbar von Gustav Mahler beeinflusst wurde: Das hinter der Bühne verlangte Tenorhorn in seiner Zweiten Symphonie geht ebenso auf dessen Musik zurück (der „Prophet aus Mahlers Siebenter Symphonie“, so Pijper) wie die in der langen Besetzungsliste geforderten Mandolinen. Willem Mengelberg, der die Uraufführung von Pijpers Erster Symphonie dirigiert hatte, lehnte die Premiere der Zweiten ab – aufgrund der Riesenbesetzung, die u. a. Orgel, drei Klaviere, Celesta und acht Hörner vorsieht. Pijper übernahm selbst und präsentierte am 2. November 1922 im Amsterdamer Concertgebouw dem überraschten Publikum sein ebenso monumentales wie mitreißendes Werk, dessen erster Satz an rhythmischer Wucht Igor Strawinskys „Sacre“ in nichts nachsteht, während der zweite mit seinen wie in einem Hohlspiegel gebrochenen Tanzfolgen etwas Irreales anhaftet. Nach Pijpers Tod fertigte sein Schüler Karel Mengelberg eine Reduktionsfassung an, um Aufführungen der im Original mindestens 116 Musiker*innen beanspruchenden Symphonie zu erleichtern, was allerdings einer Verstümmelung gleichkam. Fast einhundert Jahre nach der Premiere von Pijpers Zweiter präsentiert das Rotterdams Philharmonisch Orkest unter der Leitung seines Chefdirigenten Lahav Shani das Stück nun in seiner Originalversion. Nach der Pause erklingt Musik von Pijpers Idol: die Erste Symphonie von Gustav Mahler, zu deren „Naturlaut“-Beginn in den Worten György Ligetis „die Imagination eines leeren Raumes erzeugt“ wird, bevor Signalmotive aus unterschiedlichen Entfernungen und Richtungen erklingen. Erklärtermaßen wurde der ungarische Komponist von Mahlers musikalischer Verräumlichung beeinflusst – auch in seinem revolutionären Orchesterstück „Atmosphères“, einem feinmaschigen, mikropolyphonen Gewebe ohne Melodie und Rhythmus, das als räumlich gedachte Klangskulptur eine geradezu überwältigende Körperlichkeit entfaltet.

Konzertprogramm

György Ligeti (1923 – 2006)
Atmosphères (1961)
für großes Orchester

Willem Pijper (1894 – 1947)
Symphonie Nr. 2 (1921)
Deutsche Erstaufführung der Originalfassung

Gustav Mahler (1860 – 1911)
Symphonie Nr. 1 D-Dur (1888)
für großes Orchester

Besetzung

Rotterdams Philharmonisch Orkest
Lahav Shani Leitung

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der Aventis Foundation

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