Konzert

JACK Quartet

Lachenmann | Xenakis III | Lim II

Die Saite als Datenträger? Von diesem Gedanken ließ sich Liza Lim für ihr jüngstes Streichquartett „String Creatures“ inspirieren, das beim Musikfest Berlin durch das Jack Quartet seine Deutsche Erstaufführung erlebt. Auch in Helmut Lachenmanns „Grido“ und Iannis Xenakis „Tetras“ agieren die Musiker als ein durch den Klang der Saiten vernetzter multipler Körper.

Die Komponistin schreibt mit Bleistift in einer große Partitur an der Wand.

Liza Lim bei der Arbeit, 2005

© Ricordi Berlin

„Die Saite als materielles Objekt hat etwas Magisches“, sagt die Komponistin Liza Lim über die dünnen Stränge aus Fasern, Darm, Haaren, Metall oder Kunststoff, die über Resonanzkörper gespannt sind, um sie zum Schwingen zu bringen. Jede Aktion schreibt sich dem Material ein. Die Saite vergisst nichts. Kein Wunder, dass die Australierin ihr neues Quartett „String Creatures“ nennt. „Das Stück und die Musiker*innen sind ein Organismus, er besteht aus einer Vielzahl an Körpern mit je eigenem Bewusstsein und eigenen Sehnsüchten.“ Auch Helmut Lachenmann versteht das Quartett als einen multiplen Körper. Er komponiert den vier Streichern den Schrei ein, dafür steht das italienische Wort „grido“. Aus Geräuschen und Energien formen sich Melodien, aber auch Wolken und Flächen. Der Stuttgarter Komponist entwirft in diesem 2001 uraufgeführten Quartett eine Welt, in der die vier Instrumente, Körper und Seelen eine Symbiose eingehen, bei der die Zahl der Spieler*innen zwar wesentlich, beim Hören aber oft kaum noch auszumachen ist. Das griechische Tetra hingegen bedeutet „vier“. Iannis Xenakis schickt das Quartett auf Flugbahnen jenseits der Stufenwelt von Tonleitern. Seine Linienführung ist futurisch gebogen wie die spektakulären Bauwerke, die er als Ingenieur und Assistent des Architekten Le Corbusier entwarf.

Konzertprogramm

Helmut Lachenmann (*1935)
Grido
Streichquartett Nr. 3 (2000/2001)

Iannis Xenakis (1922 – 2001)
Tetras
für Streichquartett (1983)

Liza Lim (*1966)
String Creatures
für Streichquartett (2022)
Auftragswerk von Lucerne Festival, dem Melbourne Recital Centre und dem Miller Theatre at Columbia University
Deutsche Erstaufführung

Besetzung

JACK Quartet
Christopher Otto Violine
Austin Wulliman Violine
John Pickford Richards Viola
Jay Campbell Violoncello

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin