Installation / Uraufführung

WHO AM I

Christian Kesten
Oper für fünf Stimmen

Mit seiner Oper „Who Am I“ erforscht der Komponist Christian Kesten die klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten des Atmens. Der kreierte Klangraum wird dabei zu einem Spielfeld der Begegnung von und mit fünf Figuren auf der Suche nach ihren Geschichten.

Frontale Ansicht von zwei männlich gelesenen Personen und zwei weiblich gelesenen Personen als Collage. Drei Personen scheinen mit ihren Mündern Vokale zu formen.

Christian Kesten, Who Am I

© Susanne Elgeti

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Einatmen, Ausatmen – Atmen. Es verbindet uns mit der Umwelt, und kein Ich sagt „Ich“, ohne geatmet zu haben. Das Atmen in seiner Fragilität und Kraft ist zur Signatur der pandemischen Gegenwart geworden. Als das essentielle Medium, in dem Stimme entsteht, wird es hingegen selten Material von Musik.

Der Komponist Christian Kesten erforscht die klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten des Atmens. Auf seiner Suche nach der klanglichen Essenz dieses musikalischen Materials entwickelte er die Vokaltechnik des „Atemplateaus“: durch einen langen Atemstrom und gleiche Mundstellung beim Ein- wie Ausatmen entsteht ein statischer Rauschklang. Diese „Atemflächen“, durch Mundstellung unterschiedlich gefiltert, werden zu „weißem Rauschen“ mit einem großen Spektrum an Farbnuancen. Die Stimme wird instrumental wahrgenommen. Durch Mehrstimmigkeit und Überlagerung der Atemflächen entsteht ein komplexer Klangraum mit einer Vielzahl an psychoakustischen Effekten.

In „Who Am I“ wird dieser Klangraum zu einem Spielfeld der Begegnung von und mit fünf Figuren, die auf kreisförmig angeordnete Screens zusammenkommen. Als Zuhörende / Zuschauende treten wir in ein Feld stehender Klänge, die sich zu wechselnden Konstellationen formen, sich übereinanderschichten, kontrastieren, ergänzen oder antworten.

Durch die verschiedenen, mitunter extremen Mundstellungen entstehen Gesichtsausdrücke, die unterschiedlichste Assoziationen zu Affektzuständen zulassen – ein irritierender Kontrast zum statischen Klang.

„Who Am I“ ist eine Opern-Installation über ein Ensemble von fünf Personen auf der Suche nach ihren Geschichten. Sie stellt die Frage musikalischer Ausdrucksästhetik neu: Was macht das Zusammenspiel aus Mimik und Klang in unseren Köpfen? Wie verändert sich die Wahrnehmung des gleichen Klangs aus verschiedenen Gesichtern, Rollen, Figuren? Das Atmen erscheint als körperlicher Vorgang und Bedingung des Person-Werdens. Per-son ist, was hindurch-klingt – durch die Maske des Gesichts.

Christian Kesten
Who Am I (2022)
Oper für fünf Stimmen. Installation / Uraufführung
5 Video-Screens, 5-Kanal-Ton, 40' / Loop

Besetzung

Christian Kesten Komposition, Raum
Carsten Heitsink, Anke Ristentisch, Kai Schnittersen, Catherine Skinst, Hans Stincketier Stimmen
Kassian Troyer Klangregie, Mastering
Adam Asnan Tonaufnahme
Susanne Elgeti Video
Maya Giger Maske
Dorothee Scheiffarth Kostüm
Henrik Adler Dramaturgie
Bert Günther Technik
Martin Wolff Videoassistenz
Vilém Wagner Produktion

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.
In Kooperation mit MaerzMusik – Festival für Zeitfragen.