Inszenierung / Livestream
10er Auswahl

Der Tartuffe oder Kapital und Ideologie

von Soeren Voima nach Molière und nach „Kapital und Ideologie“ von Thomas Piketty

Staatsschauspiel Dresden

Uraufführung 2. Oktober 2021

Was, wenn Molières Betrüger Tartuffe die Wende in Deutschland miterlebt hätte? Soeren Voima und Volker Lösch transferieren die Komödie aus dem 17. in das späte 20. Jahrhundert und erzählen sie anhand einer Wohngemeinschaft im Wandel.

Der Tartuffe oder Kapital und Ideologie. Videotrailer

© Staatsschauspiel Dresden

  • 3 h, eine Pause
  • In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln

Die Inszenierung als Livestream in der Mediathek
Samstag, 21. Mai, 19:30 Uhr als Livestream in der Mediathek

Publikumsgespräch
Sonntag, 22. Mai 2022 im Anschluss an die Vorstellung

In den 1980er Jahren erbt Orgon ein heruntergekommenes Haus, in dem er mit einer sozialistischen Wohngemeinschaft lebt – niemand zahlt Miete. Auf Rat seines Freundes Tartuffe beginnt Orgon umzuorganisieren – und schlittert tief hinein in die neoliberale Katastrophe. Autor Soeren Voima übernimmt Grundmotive von Molières Klassiker aus 1664 und überführt sie in eine Analyse von 40 Jahren Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte. Regisseur Volker Lösch und sein spielwütiges Ensemble werfen sich mit Begeisterung und Thomas Piketty in die Kluft zwischen Besitz und Nichtbesitz und bringen den Stoff virtuos zum Leuchten.

Statement der Jury
Seit den frühen 1980er-Jahren hat sich einiges verändert, zu erkennen am konkreten Beispiel einer Wohngemeinschaft, die sich aus verschlampten „Was interessiert mich Kohle?“-Anfängen bis in die Spekulationsorgien und den Immobilien-Boom der Gegenwart fortschreibt. Die sehr freie Nachdichtung übernimmt von Molière nur die allergröbsten Anregungen, ansonsten reimt und schreibt sich Soeren Voima (alias Christian Tschirner) scharfzüngig durch den ökonomischen, kulturellen und sozialen Wandel, wie ihn der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty in seiner Analyse „Kapital und Ideologie“ darlegt. In der Rolle des Tartuffe brilliert der schamloseste Neoliberalismus, der immer ein bisschen schneller denkt und handelt als alle Konkurrenz. Und wie geht es weiter? Der Ausgang bleibt zwar offen, scheint aber nicht völlig hoffnungslos. Wie wärs mit ein bisschen mehr Verteilungsgerechtigkeit oder – falls es das überhaupt gibt – ökonomischer Moral?

 Zum Videostatement von Juror Franz Wille in der Berliner Festspiele Mediathek

Künstlerisches Team

Volker Lösch Regie
Cary Gayler Bühne
Carola Reuther Kostüme
Peter Lorenz, Andreas Barkleit Licht
Jörg Bochow Dramaturgie

Besetzung
Thomas Eisen Madame Pernelle
Philipp Grimm Tartuffe
Jannik Hinsch Orgon
Henriette Hölzel Elmire
Yassin Trabelsi Damis
Marlene Reiter Marianne
Eva Lucia Grieser Dorine
Daniel Séjourné Valère
Oliver Simon Cléante
sowie Lara Otto

Aufführungsrechte: henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin