Film

Blue for a Moment

Sven-Åke Johansson in einem Filmporträt von Antoine Prum
LU 2017
Regie Antoine Prum


Anschließend Gespräch mit Sven-Åke Johansson und dem Regisseur

Der Film „Blue for a Moment“ widmet sich dem künstlerischen Werdegang des in Berlin lebenden schwedischen Jazzmusikers, Avantgarde-Komponisten, Dichters und bildenden Künstlers Sven-Åke Johansson, einer der singulärsten und einflussreichsten Figuren europäischer Improvisationsmusik.

Werbeplakat für den Film „Blue for a Moment“ mit Sven-Åke Johansson mit Schlaginstrumenten an einem Fenster

Blue for a Moment. Filmplakat

  • 82 min
  • In deutscher Sprache mit englischen Untertiteln

Seit Johansson (geboren 1943 in Mariestad) Ende der 1960er-Jahre nach Berlin zog, ist er unermüdlich in verschiedensten musikalischen und künstlerischen Kontexten. Seine ersten Auftritte fanden im Rahmen des Zodiak Free Arts Lab am Halleschen Ufer statt, ein Ort, an dem junge Musiker*innen und Kunststudierende die Grenzen zwischen den Genres ausloteten. In den 1970er- und 1980er-Jahren war er eine feste Größe in der West-Berliner Free-Jazz-Szene, die sich um das Label Free Music Production (FMP) formierte. Johansson unterhält langjährige musikalische Freundschaften mit Alexander von Schlippenbach und Rüdiger Carl und „entwickelt[e] sein Konzept einer Geräuschmusik, mit der er zum Vorreiter der sogenannten Echtzeitmusik wird, die im Ostteil Berlins nach 1990 im Feld zwischen Hausbesetzungen, freier Improvisation, Punk und Neuer Musik entsteht“ (Wolfgang Müller). In seinen Performances und Kompositionen erforscht er immer wieder die musikalischen Relikte der Moderne der 1950er- und 1960er-Jahre, oft mithilfe alltäglicher Materialien wie Pappe oder Schaumstoff. Der Komponist Peter Ablinger hat diese Praxis als „Musica Povera“ bezeichnet, in Anlehnung an die Arte Povera, die Alltagsgegenstände zu Kunst erhob und die Verwendung von unkonventionellen oder „billigen“ Materialien forderte.

Beeinflusst von der Fluxus-Bewegung mit ihrem experimentellen und antikonformistischen Ansatz begann Johansson schon früh, seine eigene Praxis als Free-Jazz-Schlagzeuger zu dekonstruieren. Indem er das Prinzip der Freien Musik auf andere künstlerische Felder überträgt und unbekümmert zwischen den Rollen des Performers, bildenden Künstlers, Dichters und Komponisten wechselt, lässt er den*die Jazz-Schlagzeuger*in als Grenzgänger*in zwischen den Medien und Genres zum Gesamtkunstwerk werden.