Konzert

Pierre-Laurent Aimard

Late Night Recital

Pierre-Laurent Aimard

Pierre-Laurent Aimard

© Felix Broede

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Sie ist eines der Hauptwerke von Charles Ives und stellt höchste Anforderungen an den Pianisten: die über Jahrzehnte als Work in Progress entstandene zweite Klaviersonate mit dem Titel „Concord, Mass., 1840–60“. Concord, eine Kleinstadt in Massachusetts, war im 19. Jahrhundert das Zentrum der amerikanischen Transzendentalisten, einer Gruppe von Schriftstellern, Pädagogen und Philosophen.

Ihre zukunftweisende freiheitliche Ideen prägten entscheidend das Denken in den Vereinigten Staaten und gaben Impulse, die bis heute nachwirken. Die Transzendentalisten forderten die Abschaffung der Sklaverei, sie setzten sich für Frauenrechte ein und formulierten frühe Denkanstöße zum Naturschutz.

Die vier Sätze der Concord-Sonata verstehen sich als suggestive Einzelporträts. Ives erklärt in seinen Essays before a Sonata: „Das Ganze stellt einen Versuch dar, den Eindruck (einer Person) vom transzendentalistischen Geist wiederzugeben, der im allgemeinen Bewusstsein mit Concord, Mass. – so, wie es sich vor einem guten halben Jahrhundert darbot – verbunden ist.“ Der Eingangssatz mit dem Titel Emerson ist eine Hommage des Philosophen Ralph Waldo Emerson. Er war der Kopf der Transzendentalisten und beeinflusste mit seinem Denken die US-amerikanische Literatur. Der Schriftsteller Nathaniel Hawthorne, der im zweiten Satz porträtiert wird, war als Schriftsteller Vertreter der amerikanischen Variante der Romantik und widmete sich in seinen Romanen und Kurzgeschichten vor allem dem Dünster-Phantastischen. Das dritte Stück, The Alcotts skizziert musikalisch Amos Bronson Alcott, einen zukunftsweisenden Reformpädagogen, seine Frau Abigail May Alcott, die für die Abschaffung der Sklaverei kämpfte, und ihre Tochter Louisa May Alcott, eine Schriftstellerin, die mit Jugendbüchern berühmt wurde. Den Abschluss der Concord-Sonata stellt der Satz Thoreau dar. Er behandelt das Denken von David Henry Thoreau, der in einem zivilisationskritischen Selbstexperiment ein einfaches Leben in Einklang mit der Natur ausprobierte.

Mit seiner Sonate „Concord, Mass., 1840–60“ hat Ives einen Meilenstein der Klavierliteratur geschaffen. Ives weitet die Harmonik aus, operiert kühn mit Zitaten von Beethoven bis Strawinsky.

Pierre-Laurent Aimard, als Interpret der Moderne und der Neuen Musik genauso geschätzt wie für seine Durchdringung der Werke von Bach sowie des klassisch-romantischen Repertoires, gilt als einer der bedeutenden Interpreten der Concord Sonata von Charles Ives. Im vergangenen Jahr begeisterte er auf dem Musikfest Berlin mit seinem Liszt-Abend.

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Charles Ives [1874-1954]
Klaviersonate Nr. 2 ‚Concord, Mass., 1840-60‘ [1904-15]
Emerson
Hawthorne
The Alcotts
Thoreau

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker
in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin