John Cage

John Cage

© Christopher Felver

Konzert

Junge Deutsche Philharmonie / Ensemble Modern

Einführung 17:30 Uhr

1976, anlässlich der 200-Jahrfeier der USA hat John Cage Apartment House 1776 kreiert, als Auftragswerk des Boston Symphony Orchestra und seines damaligen Chefdirigenten Seiji Ozawa sowie für das Los Angeles Philharmonic, das New York Philharmonic und das Philadelphia Orchestra. John Cage versammelt in Apartment House 1776 Musik aus der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und Lieder der verschiedenen Ethnien der USA, protestantische, sephardische, indianische und afroamerikanische Gesänge.

„Der Titel bezieht sich auf die Tatsache, dass viele Dinge eher gleichzeitig als nacheinander stattfinden“, hat Cage erklärt. Für jede Aufführung wird von den Ausführenden jeweils eine eigene, einzigartige Version zusammengestellt. Bei der Uraufführung in Boston, von wo aus einst mit der Tea Party der amerikanische Widerstand gegen die britische Kolonialmacht ausgegangen war, wurde Apartment House 1776 zusammen mit Cages Werk Renga dargeboten. „Renga“ ist die Bezeichnung für ein japanisches Kettengedicht mit einer festgelegten Silbenzahl. Für sein gleichnamiges Musikstück hat Cage 360 Zeichnungen des amerikanischen Transzendentalisten Henry David Thoreau nach bestimmten Regeln aus der japanischen Dichtkunst in einem Raum angeordnet und dann mit Hilfe von Zufallsoperationen des I Ging Ausschnitte dieser Zeichnungen in Stimmen für 87 Instrumente übertragen. Wie Charles Ives, der Theoreau in seiner Klaviersonate „Concord, Mass., 1840-60“ ein Denkmal setzte, war auch John Cage noch immer von den fortschrittlichen Reformideen der amerikanischen Transzendentalisten aus dem 19. Jahrhundert fasziniert.

Mehrfach zog Cage auch Sternkarten des tschechischen Astronomen Antonín Bečvář für seine Kompositionen heran. Die Konstellationen in Sternkarten aus Bečvářs Atlas eclipticalis hat Cage auf die musikalischen Notensysteme übertragen. Die unterschiedliche Helligkeit der Sterne bestimmt die Lautstärke der einzelnen Töne.

Das Ensemble Modern, seit über 30 Jahren eine feste Größe für Neue Musik, gibt seit einigen Jahren seine Erfahrungen an junge Musiker wieder. Gemeinsam mit der Jungen Deutschen Philharmonie unter Leitung von Neue-Musik-Spezialist Peter Rundel haben die Musiker ihr Cage-Programm speziell für das Musikfest Berlin 2012 erarbeitet.

www.jdph.de/de
www.ensemble-modern.com

John Cage [1912–1992]
Cheap Imitation [1970-1972]
for orchestra without conductor,
based on Socrate by Erik Satie

Apartment House 1776 [1976]
for 4 voices (ad. lib. on magnetic tape), any number of musicians using any suitable instruments; Protestant, Sephardic, and American Indian songs, and negro calls and hollers (live or recorded); may be performed with Renga to be substituted by a ‚musicircus‘ (live or recorded) appropriate to another occasion than the Bicentennial of the USA

Renga [1975-1976]
for 78 musicians, to be played alone or (as an occasional piece) with Apartment House 1776, based on 362 marginal drawings by Henry David Thoreau

Atlas Eclipticalis [1961-1962]
for 1 – 86 musicians, based on Atlas Eclipticalis 1950.0’ (an atlas of the stars published in 1950 by Czech astronomer Antonín Bečvář)

Junge Deutsche Philharmonie
Ensemble Modern
Hermann Kretzschmar Auswahl des Zuspielmaterials
Norbert Ommer Klangregie
Peter Rundel Einstudierung und Leitung

Mit freundlicher Unterstützung durch die

Aventis Foundation