Forschungsprojekt, Ausstellung & Performance

Breaking out of Silence

Stimmen des Widerstands von den Philippinen

Lakbayan ist eine philippinische „Strategie des Protests, ein Organisationsinstrument, eine Propagandamaschine und ein Lobbymechanismus“ (Mong Palatino). Es handelt sich dabei um die landesweite und massenhafte Mobilisierung von bäuerlichen Bewegungen, indigenen Bevölkerungsgruppen und anderen Teilen der Gesellschaft, die sich jährlich in der Hauptstadt versammeln und der Regierung ihre Forderungen unterbreiten. Inspiriert von dieser Tradition präsentiert Dang A Dang Radio eine Sammlung von philippinischer Protestmusik und klanglichen Ausdrucksformen des Widerstands. Dieses Archiv wird anhand von „Listening Stations“ aus Tonaufnahmen, Text und visuellem Material zugänglich und erfahrbar gemacht.

Während eines Lakbayan ziehen Massen organisierter Bäuerinnen und Bauern, indigener Menschen und Landarbeiter*innen von den Peripherien in die Hauptstadt, um der Regierung ihre Forderungen vorzulegen. Wichtige Anliegen sind hierbei die Vertreibung indigener Bevölkerungsgruppen durch in- und ausländische Plünderung, Fragen der Ernährungssicherheit und anderer lokaler Herausforderungen, die Forderung nach der Wiederaufnahme von Friedensgesprächen sowie die Militarisierung und die Angriffe auf die ländliche Bevölkerung. Diese Proteste machen die gleichgültige Haltung der Regierung gegenüber diesen Themen eindrücklich deutlich.

Ein einmonatiger Marsch und Meeresüberfahrten tragen die ländlichen Proteste in entfernte Gemeinden, in denen die Bewegung vielleicht noch sehr schwach ist, und führen zu möglichen neuen Bündnissen und Unterstützer*innen, die „Informationen, Vorräte und Logistik“ bereitstellen können. Die Zeltlager in der Hauptstadt werden zu Orten für Bildung und materielle Unterstützung sowie zur „Bühne“ für politische Aktionen.

Inspiriert von dieser Tradition präsentiert Dang A Dang Radio „Lakbayan: Voices of Resistance from the Philippines“, eine Sammlung von Protestmusik und klanglichen Ausdrucksformen des Widerstands von den Philippinen. Dieses Archiv wird anhand von „Listening Stations “ aus Tonaufnahmen, Text und visuellem Material zugänglich gemacht, wodurch sich die Protestgeschichte des Landes erfahren lässt.

Die Ausstellung präsentiert eine generationenübergreifende Auswahl an Klangdokumenten, die von den Klassikern des First Quarter Storm Movement bis zur aktuellen Generation von Aktivist*innen und Musiker*innen reicht. Begleitet wird das akustische Material von Hintergrundinformationen und Kontextualisierungen durch Liederbücher, Plattencover, Plakate und Fotos aus der Sammlung von Dang A Dang Radio und anderen progressiven Organisationen.

Ganz im Sinne des Lakbayan wird auch die Ausstellung die Zeugnisse der Kämpfe aus den Peripherien „transportieren“ – nicht als Bitte um Gnade, sondern als Aufruf zur Solidarität.

Die Ausstellung zeigt die im Archiv gesammelten Themen sowie die Art, wie diese sich in der Musik und anderen Klangformen äußern. So soll nicht nur die Verschlechterung der Lebensbedingungen und die Unterdrückung gezeigt, sondern vor allem der Sound von widerständigen Bewegungen erfahrbar gemacht werden, die an Einfluss gewinnen und durchaus politische Macht ausüben.