Konzert

Variations on a Voice

Saunders / Miller / Dunn / Fraser / Baskind

Juliet Fraser demonstriert in diesem Konzert ihre stilistische Vielseitigkeit mit drei Kompositionen, die eigens für sie und ihre Stimme geschrieben wurden. Dabei stellt jedes Stück unterschiedliche kompositorische Ansätze für die menschliche Stimme vor.

Juliet Fraser

Juliet Fraser

© Dimitri Djuric

Die Arbeit „Tracery : Hardanger“ der Komponistin Cassandra Miller und der Sopranistin Juliet Fraser erforscht eine Form des „automatischen Singens“. Zu Beginn der Aufführung sitzt Fraser auf der Bühne und hat Kopfhörer auf, über die sie einen „gesteuerten Track“ hört – und dann meditiert sie. Ein anderer Track mit ihrer zuvor aufgenommenen Stimme wird vom Tonband in den Raum eingespielt. Wie das Stück klingen wird, ist nicht vorhersehbar. Es ist eine Musik des Kommens und Gehens, des Zusammen- und Alleinseins, eine moderne Interpretation von Folklore, da das Ausgangsmaterial vor allem aus Traditionen stammt, die nicht auf Notation beruhen. So basieren die ersten Module auf zwei traditionellen Melodien der norwegischen Hardangerfiedel. „Tracery : Hardanger“ entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der Komponistin Miller und der Interpretin Fraser. Das Werk ist Teil eines Langzeitprojekts, das mehrere einzelne, jedoch miteinander verbundene Stücke hervorgebracht hat, die mit der Freiheit und Verletzlichkeit des*der Performer*in auf der Bühne experimentieren und traditionelle Vorstellungen von Performativität und „Gesanglichkeit“ in Frage stellen.

Auf dem Programm steht außerdem die Komposition „While we are both“ von Lawrence Dunn, die auf einem Gedicht von Caitlín Doherty basiert. Das Werk selbst ist eine Art metamorphische Verwandlung von Klangtexturen und beschäftigt sich „mit den Grenzen der Kommunikation und […] den Möglichkeiten – und Unmöglichkeiten – der Beziehung zu anderen Menschen.“ Der Titel bezieht sich auf den Vers „while we are both awake“, denn die Protagonist*innen sehnen sich nach Schlaf.

Mit Rebecca Saunders’ „The Mouth“ erforscht Fraser die Schwelle zwischen zwei Welten: der inneren und der äußeren, der inneren und der klingenden Stimme. Das Werk untersucht dabei die große Bandbreite an Farben und Klängen, die in der Mundhöhle natürlicherweise entstehen, denn der Mund (engl. „the mouth“) repräsentiert diese Schwelle. Laut der Komponistin Saunders fragt die Arbeit: „Was ist diese innere Stimme, was wird dort unterdrückt und zurückgehalten, was fließt da unter der Oberfläche? Und was kann eigentlich gesagt werden? Kann überhaupt etwas gesagt werden?“ Der Text wurde neben der Musik von Saunders verfasst und enthält bewusstseinsstromhafte Rezitationen mit gelegentlichen Momenten klarer Artikulation. Der raumbezogene, elektronische Part setzt sich aus Aufnahmen von Frasers Stimme zusammen, in die vereinzelt auch die Stimme der Komponistin einfließt.

Programm

Cassandra Miller (*1976) & Juliet Fraser (*1980)
Tracery : Hardanger (2017)

Lawrence Dunn (*1991)
While we are both (2017)

Rebecca Saunders (*1967)
The Mouth
für Sopran und Tonband (2018–2020)
Deutschlandpremiere

Besetzung

Juliet Fraser Sopran
Alexis Baskind Elektronik