RIAS Kammerchor

RIAS Kammerchor

© Matthias Heyde

Konzert

RIAS Kammerchor / Ensemble musikFabrik

Märsche, Reime, Hochzeiten

Einführung 19:00 Uhr

Manche Vorgänge sind unberechenbar; doch die experimentelle Musik ist sehr berechenbar geworden. Ich interessiere mich nicht für den alten Gegensatz von Avantgarde und Rückzug. Ich bin ein klassisches Beispiel für jemanden, der Dinge gemacht hat, die zur Zeit der Avantgarde nicht zum Mainstream gehörten. Stilvorgaben zu befolgen, dagegen habe ich mich immer verwehrt. Stücke, die ohne Anarchie geschrieben werden, ohne Verstöße gegen festgemauerte stilistische Regeln, sind mehr oder weniger ungenießbar.
Mauricio Kagel

Mauricio Kagel war einer der eigenwilligsten kompositorischen Erscheinungen des 20. Jahrhunderts: ein Querdenker, dessen vielschichtiges musikalisches Œuvre sich jeder Schubladisierung verweigerte. Mit oft unwiderstehlichem Humor hat sich der vor fünf Jahren verstorbene Kagel einen faszinierend eigenwilligen Weg durch die Musik der Moderne gebahnt. Einige markante Wegweiser stellt dieses Konzert auf, in dem unter dem Motto „Märsche, Reime, Hochzeiten“ neben ausgewählten Werken Kagels auch Kompositionen zweier anderer Individualisten der Moderne zu erleben sind: freche „Kinderreime“ von Leoš Janáček und Igor Strawinskys die russische Volksmusik radikal neu interpretierende Ballettmusik „Les Noces“.

Strawinsky wollte für die Musik der „Bauernhochzeit“ neben Gesangsstimmen und Schlagzeug auch Maschinen, mechanische Klaviere, Pianolas einzusetzen; „vollkommen homogen, vollkommen unpersönlich und vollkommen mechanisch“ sollte der Klang sein. Die ersten beiden Bilder arbeitete er für diese Besetzung aus, doch dann ließen ihn die unzureichende Mechanik der Pleyel-Instrumente und die Einwände Sergej Diaghilews von seinen Plänen absehen. Der holländische Komponist Theo Verbey hat Strawinskys damals schon weitgediehene Pläne 2007 zu Ende geführt. Beim Musikfest Berlin wird diese Fassung von „Les Noces“ für Solisten, Chor, Harmonium, Schlagzeug und live gespielter Pianola erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, aufgeführt vom RIAS Kammerchor und dem Ensemble musikFabrik unter der Leitung von James Wood.

Leoš Janáček [1854-1928]
Ríkadla (Kinderreime)
für Kammerchor und 10 Instrumente [1926]
© 1929, 1956 by Universal Edition A.G. Wien / UE 32920

Mauricio Kagel [1931-2008]
Märsche Nr. 1, 2, und 5
aus: Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen
für Bläser und Schlagzeug [1978/79]
© C.F. PETERS Frankfurt Leipzig London New York

Nr. 3 Resurrexit Dominus
aus: Rrrrrrr… 7 Stücke für gemischten Chor und Klavier [1981/82]

Märsche Nr. 7 und 9
aus: Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen

Nr. 5 Rex tremendae
aus: Rrrrrrr… 7 Stücke

Märsche Nr. 8 und 4
aus: Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen

Mauricio Kagel
Verborgene Reime [2006/07]
für Chor und Schlagzeug

Igor Strawinsky [1882-1971]
Les Noces
Fassung von 1919 für vier Solisten, Chor, Pianola, 2 Cymbaloms, Harmonium und Schlagzeug
vervollständigt von Theo Verbey [2007]
Erstmalige Präsentation der Verbey-Fassung mit Live-Pianola

Anu Komsi Sopran
Annamária Kovács Alt
Nigel Robson Tenor
Andreas Fischer Bass

Enikö Ginzery, Françoise Rivalland Cymbalom
Michael Weilacher, Adam Weisman Schlagzeug
Marie-Noëlle Bette Harmonium
Rex Lawson Pianola / Realisation der Pianola-Rollen

Ensemble musikFabrik
RIAS Kammerchor
James Wood Leitung

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
in Kooperation mit dem RIAS Kammerchor