Jürgen Holtz

Jürgen Holtz

© Theresa Becherer

Preisverleihung

Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung

Verleihung an Jürgen Holtz
Überreicht vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit

Der diesjährige Theaterpreis Berlin geht an den Schauspieler Jürgen Holtz. In den 1960er und 70er Jahren wurde er an der Volksbühne, dem Berliner Ensemble und dem Deutschen Theater zu einem der bekanntesten DDR-Schauspieler. Nach Engagements in München, Bochum und Frankfurt in den Achtzigern kam Jürgen Holtz nach der Wende zurück nach Berlin, ans Deutsche Theater und ans Berliner Ensemble. Er spielte mit Heiner Müller, B. K. Tragelehn und Einar Schleef, mit Jürgen Gosch, Thomas Langhoff und Peter Stein. In Robert Wilsons „Dreigroschenoper“ am Berliner Ensemble zeigt er sich noch heute in Hochform, als knarziger, verkrümmter Vater Peachum, den Brecht tief in den Knochen wie kaum einer sonst.

In der Jurybegründung heißt es: „Geehrt wird mit Jürgen Holtz ein Grantler, ein feiner Gedankenverfertiger im Sprechen, ein König des Monologs. Er ist gegen die sogenannten Ensembles, die, wie er sagt, heilige Kühe hüten in ungesunden Ställen und ansteckende Krankheiten pflegen wie Hochmut, Besserwisserei, Selbstgefälligkeit und Fremdenhass. Manchmal scheint es, wenn man ihn spielen sieht, dass er die seltene Qualität wirklicher Ensembles als Einzelner überliefern möchte – ein hohes Bewusstsein von Konvention und attraktiver Besonderheit. Er spricht aus einer Form von Begreifen auf der Bühne, wie sie selten geworden ist. Er ist ein Schauspielersouverän, der durch Pausen regiert, Tempodehnungen, Affektmodulation. Er kann charmant sein. Aber er bietet sich nie an. Geehrt wird Jürgen Holtz als einer, der berühmt dafür wurde, dass sein Zuschauer schnell merkt, wogegen er ist: als Moritz Tasso, als Motzki, als Kreon. Wenn man ihm länger zuschaut, spürt der Betrachter zugleich untrüglich, wofür Jürgen Holtz ist: Er ist ein Enthusiast. Wiederum, in seinen Worten, wörtlich genommen, ein „Gottbegeisterter“. Kunst und Politik gehören für ihn untrennbar zusammen. Nicht im Sinne von Rechthaberei, sondern als Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen der Macht. Ohne das gefährliche Leben und Denken zu suchen, wäre ihm sein Beruf zu harmlos. Er floh vor Zensur aus der DDR, vor Routine aus den Betrieben, kämpft gegen die Traumlosigkeit der eigenen Arbeit. Jürgen Holtz lebt vor, was Schauspielertheater im noblen Sinne ist: geistvoll, in einer kollektiven Verabredung geborgen und befreit zugleich.“

Die Entscheidung über die Auszeichnung, die von der Stiftung Preußische Seehandlung in diesem Jahr zum 26. Mal verliehen wird, traf die Preisjury, der der Intendant der Berliner Festspiele, Dr. Thomas Oberender, die Theaterkritikerin Christine Wahl und der Intendant des Hans-Otto-Theaters Potsdam, Tobias Wellemeyer, sowie mit beratender Stimme die Leiterin des Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, angehören. Der mit 20.000 Euro dotierte „Theaterpreis Berlin“ wird im Rahmen des Theatertreffens vom Regierenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung Klaus Wowereit verliehen. Weggefährten von Jürgen Holtz begleiten die Preisverleihung.