Diskussion

Freund- und Feindbilder zwischen Ästhetik und Realität

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Ein Gespenst aus vergangenen Tagen geistert durch die Medien und entfacht allerorts heftige Debatten. Das Thema RAF und die Frage nach Verantwortlichkeit und Schuld werden wieder kontrovers diskutiert. Alte Gräben tun sich auf und werden vor dem Hintergrund des transnationalen Terrors neu verhandelt. Dabei fungieren die Medien mit ihrer Omnipräsenz der Bilder als Schaltplatz der öffentlichen Auseinandersetzung. Wobei eine sachliche Diskussion zum aktuellen Zeitpunkt kaum möglich erscheint, zu sehr ist die Debatte aufgeheizt und von persönlichen Empfindungen geprägt.

Welche Position kann oder muss Kunst – und speziell das Theater – gegenüber einer durch die mediale Berichterstattung geprägten Öffentlichkeit einnehmen? Mit prägnanter Regiehandschrift beschäftigen sich die beiden unterschiedlichen Künstler Nicolas Stemann und Andreas Kriegenburg in „Ulrike Maria Stuart“ bzw. „Die schmutzigen Hände“ mit der Frage nach dem richtigen Handeln und der Verantwortung des Einzelnen. Rechtfertigen bestimmte Situationen die Anwendung von Gewalt? Kann der Zweck die Mittel heiligen? Sind Privates und politische Überzeugung voneinander getrennt lebbar?

Im theatereigenen Diskurs wird ein Blickfeld jenseits starrer Interpretationsmuster eröffnet, werden verhärtete Fronten aufgebrochen, ohne dabei den Anspruch auf eine historisch genaue Darstellung zu erheben. In virtuosem Entertainment und schriller Revue wird die Brisanz der Thematik gleichzeitig gebrochen und gesteigert. Alles scheint möglich. Als abstraktes Zeichen ist die RAF für jüngere Generationen längst zu einer Projektionsfläche geworden, mit der frei umgegangen und die nicht mehr unbedingt mit den realen Personen verbunden wird.

Der Umgang mit der jüngeren deutschen Geschichte, ihre Mythisierung und Entmythisierung, wirft die Frage nach ihrer Darstellung und Darstellbarkeit im Medium der Kunst auf. Welche gesamtgesellschaftliche Funktion kann Theater in diesem Zusammenhang einnehmen?

Es diskutieren
Dr. Ehrhart Körting Senator für Inneres
Andreas Kriegenburg Regisseur
Nicolas Stemann Regisseur
Prof. Dr. Uwe Wesel Rechtswissenschaftler

Moderation Peter von Becker Schriftsteller und Kulturjournalist